Bad Harzburg und der Burgberg

Das Schönste an der einzigen niedersächsischen Stadt im Harz ist der herrliche Blick vom dazugehörigen Burgberg mit einer hübschen Burgruine. Bad Harzburg liegt unmittelbar an der Grenze zwischen Niedersachsen und Sachsen-Anhalt und damit an der ehemaligen Deutsch-deutschen-Grenze. Unmittelbar nach dem Mauerfall kamen mehr als 300.000 Menschen aus der DDR in die kleine Stadt, um die neue Reisefreiheit zu feiern. Ich genieße die schöne Aussicht auf die robuste Harzlandschaft und wandere über die sich schlängelnden Windungen des Baumwipfelpfads. Eine zierliche Seilbahngondel bringt mich sanft schwebend zurück hinunter in das überschaubare Städtchen. Viele Sehenswürdigkeiten gibt es nicht, der kleine Ort besteht fast ausschließlich aus einer Alleestraße, die unglücklicherweise aktuell von Baustellen gesäumt ist. Ich nehme in einem der Strandkörbe, die auf der Terrasse des nächsten Cafés stehen, Platz. Gemächlich plätschert das Wasser aus einem Hasenbrunnen aus Bronze. Mit zusammen gekniffenen Augenbrauen entziffere ich die schlecht lesbaren Lettern. „Der Hase ist ein scheues Tier, leicht kann man ihn erschrecken. Drum, wenn Du etwas geben willst, lass Deine Münzen stecken. Am liebsten hört dies kluge Tier, das leise Rascheln von Papier.“

Ich grinse. Hier kann man also etwas Geld loswerden, wenn man möchte. Auch ein Spielkasino gibt es in Bad Harzburg. Nach dem Bezahlen schlendere ich durch die breit angelegte Alleestraße. Gleich neben einem übervollen Bücherschrank tröpfelt unstet Wasser aus einem Jungbrunnen mit Skulpturen unterschiedlichen Alters. Ewige Jugend als der große Menschheitstraum, fast alle Kulturen träumen von dieser Wunderquelle. Alt und beladen mit den Mühen des Lebens, da scheint ein verjüngender Brunnen die Lösung zu sein. Nach dem Bad ist plötzlich die Jugend wieder da. Erfreulicherweise ist es im Leben etwas anders als in der Sage vom Jungbrunnen. Denn jung bleiben und geistig fit kann man auch im hohen Alter. Der Brunnen in der Stadmitte Bad Harzburgs erzählt genau von dieser Lebensphilosophie und von der Lächerlichkeit des Jugendwahns. Nichts macht so alt, wie der ständige Versuch, jung zu bleiben. Die Figuren schuf der Metallgestalter Jochen Müller aus Quedlinburg: Ein nackter König, ein alter Mann mit Stock, eine junge Nixe, die sich im Spiegel betrachtet und ein kleines Teufelchen. Ein Wegweiser zeigt die Richtung zur Soletherme auf. Auch wenn das Wasser dort keine ewige Jugend verspricht, Entspannung bringt ein Besuch für Jung und Alt allemal.


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