Das Böse in Celle

„WI(E)DER DAS BÖSE“ entziffere ich am Bomann-Museum. Es war glaube ich schon immer so, dass mich Ausstellungen über solche Themen angezogen haben. Dabei hatte ich nicht erwartet in der beschaulichen Fachwerkstadt Celle auf ein solch spannendes Thema zu stoßen. Knapp 70.000 Einwohner, aber keine Museen, die mich gereizt hätten. Was für ein Glück, dass ein großes Plakat am Kunsthaus hängt, das den Namen der Ausstellung zeigt. Ich ziehe die Eingangstür auf und betrete die Exposition. Künstler haben jederzeit probiert das „Gute“ und ebenso das „Böse“ einzufangen und zu porträtieren. Beides liegt jedoch im Auge des Betrachters und kann je nach Person differieren. Was also halten kreative Menschen für böse oder eben auch nicht? Sind das z. B. auch Andersdenkende? Heute ist dieser Glaube sicherlich präsenter und näher denn je. Böser Politiker, böser Vorgesetzter, Chef oder Nachbar oder einfach auch der Fremde? Ebenso gibt es den Spruch: „Falls Du glaubst zu klein zu sein, um etwas zu bewirken, schlafe mal in einem Raum, in dem ein Moskito herumschwirrt.“ Ist das dann in diesem Moment also das Böse? Wer definiert dies überhaupt und darf das auch? Die gezeigten Kunstwerke regen mich zum Nachdenken an. Auf drei Etagen werden ganz unterschiedliche Perspektiven thematisiert. Viele Bilder haben Bezug zur Neueren Geschichte bzw. der Nazizeit. Einige zeigen Endzeitszenarios.

Auch Adolf Eichmann, ein Naziverbrecher, der in der Nähe von Celle nach dem 2. Weltkrieg eine Hühnerfarm führte, wird erwähnt. Er verkaufte auf dem örtlichen Markt unerkannt Eier an ehemalige Insassen des KZ Bergen-Belsen. Wirklich unglaublich für mich, das zu lesen! Einige Bilder sind sehr abstrakt, sodass sich mir nicht erschließt, was daran böse sein soll. Eine Weile stehe ich vor einem mit Glitzer überzogenen Fisch. Wahllos hängen die Kunstwerke nebeneinander. Angela Merkel, die ihren Kopf in den Hintern der USA steck oder ein Bauernehepaar, das zu den Freimaurern gehört. Gatte und Ehefrau schauen extrem skeptisch in die ländliche Umgebung. Schillers Zitat „Böses muss mit Bösem enden“ hängt von der Decke und dem gebe ich recht. Alles rächt sich schließlich irgendwann. Eine Fotografie befasst sich mit der totalen Überwachung des Einzelnen durch den Staat. Neben den vielen politischen Statements wird auch der verschwenderische Konsum angeprangert. Unästhetisches Gemüse rechtfertigt sich, um doch noch im Supermarkt verkauft zu werden. Die Darstellungen variieren zwischen Malerei, Grafik, Film und Installation. Armut in der Gesellschaft oder Obdachlosigkeit werden parodiert, ebenso bekommt die Kirche ihr Fett weg. Zudem die Misshandlung von Tier und Kind. Die Künstler suchen nach Ideen und Ausgleich, letztlich sicherlich nach dem „Guten“. Dennoch steht davor stets das Böse. Wie sang bereits die Erste Allgemeine Verunsicherung sang: „Das Böse ist immer und überall.“ Ist das wohl so?


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