Mit der Cessna nach Wangerooge

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‚Morgen fällt ihr Zimmermädchen aus.‘ sagt die Pensionswirtin unserer Unterkunft auf Langeoog. ‚Ihr Zimmermädchen, das bin ich.‘ verrät sie aufgrund der fragenden Blicke aller Gäste. ‚Ich habe einen externen Reinigungsservice beauftragt. Morgen muss ich mit der Fähre aufs Festland.‘ Ich trage mein Frühstücksgeschirr in die Küche. ‚Gibt es im Supermarkt hier eigentlich Rabatt für Insulaner?‘ frage ich sie neugierig. Sie schüttelt miesmutig den Kopf. ‚Deshalb muss ich morgen aufs Festland. Ich kaufe für die Gäste ein. Bei den Preisen hier wäre das viel zu teuer.‘ Ich kann mir schon vorstellen, wie unsere Gastgeberin mit einem großen Bollerwagen bewaffnet durch die Läden zieht. Ehrlich gesagt frage ich mich wie die Insulaner sich auf dem Festland zurecht finden. Schließlich ist dort viel mehr Verkehr. Jederzeit können von rechts oder links Autos, Straßenbahnen oder Busse kommen. Auf der Insel muss man lediglich einem Fahrrad oder lahmen Elektrowägelchen ausweichen, wenn man über die Strasse geht. Nach meinem Urlaub werde ich mich erst wieder an den Verkehr und den Alltagslärm der Stadt gewöhnen müssen. Vermutlich werde ich ein paar Mal fast umgefahren. Hoffentlich nur fast.

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Unsere Zimmervermieterin fährt fort. ‚Ich nehme mehrere Klappkarren und miete auf dem Festland ein Auto. Das ganze Gepäck kommt dann auf die Fähre. Bei Ankunft in Langeoog holen wir es am Inselbahnhof ab. Per Bollerwagen oder Elektroauto  bringen wir die Waren dann nach Hause. Das scheint mir überaus aufwendig. Ein Auto hat auf Langeoog allerdings niemand. Wenn man nicht unbedingt aufs Festland muss, ist hier ja auch alles zu Fuss erreichbar. Für etwas weitere Wege besitzt jeder Einheimische ein Fahrrad. ‚Der Einkauf geht eigentlich.‘ meint die Besitzerin unserer Unterkunft dann. ‚Es ist nur immer dieser Zeitdruck, den man im Kopf hat. Man darf ja das Boot nicht verpassen, sonst sitzt man auf dem Festland eben fest.‘ Ich nicke zustimmend. Mein Partner und ich werden heute nicht die Fähre nutzen. In einer Stunde geht unser Flug nach Wangerooge, der kleinsten der 7 ostfriesischen Inseln. Auf der Flugplatz erwartet uns eine kleine Cessna. Maximal zwei Passagiere werden mitgenommen. Ich nehme auf der Rückbank Platz. Vor mir in der Ablage stecken Kotztüten. Die Decke befindet sich unmittelbar über meinem Kopf. Der Motor rauscht furchtbar laut. Man bietet mir Kopfhörer an. Ich ziehe den Gurt um die Hüfte fest.

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Wir rollen auf die Startbahn. Bei der Drehung schwankt das zierliche Flugzeug hin und her. Der Pilot gibt Gas. Wir heben ab. Unter uns liegen die überschwemmten Salzwiesen Langeoogs. Dahinter schippern auf der Nordsee gemütlich ein paar Frachter. Ein absolut wunderbares Gefühl so hoch oben über allem zu sein. Zum ersten Mal fällt mir das gleichmäßige Muster der Wellen auf, die in einer kontinuierliche Bewegung dem Strand zurollen. Als würden sich aus einem undurchdringlichen, meeresblauem Zopf immer neue Locken lösen. Die Ohren gehen mir zu. Gelegentlich machen wir einen Hopser in der Luft. Mein Magen fällt dann immer nach unten. Wir fliegen über Spiekeroog und sehen das erste Mal wirklich, warum dies die Grüne der Ostfriesischen Inseln ist. Ein umfassender Teppich aus dunklen Grasflächen überzieht die Insel. Durchzogen wird das dichte Dunkelgrün lediglich von kleinen Wasserläufen. Hinter dem Eiland zieht sich eine große Sandbank dahin. Ich drehe mein Gesicht zum anderen Fenster. Die Macht der Wellen tost ungebremst weiterhin zum Strand. Dann kommt Wangerooge in Sicht. Wir verlieren an Höhe. Erneut fallen mir kurz die Ohren zu. Es wird holprig. Mit einem dumpfen Schlag setzen die Räder der kleinen Cessna auf. Wir sind angekommen. Was für ein tolles Erlebnis! Ich kann mich kaum entscheiden was ich mehr mag, Boot fahren oder Fliegen. Ich glaube ich liebe beides! Selbst beim Flug in so einer Minischüssel wie heute.


4 Gedanken zu “Mit der Cessna nach Wangerooge

  1. Danke für die wieder einmal tollen Erinnerungen, die mir gerade durch den Kopf gehen. 🙂

    Während meiner Zeit, die ich auf Borkum lebte, flog ich öfters von Borkum nach Emden, um dann von dort mit dem Zug weiter zu reisen.
    Als ich Borkum das erste mal von oben sah, stockte mir der Atem, so eine schöne Aussicht hatte ich noch selten gesehen!

    Liebe Grüße,
    Werner

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      1. Ja, das tut mir heute noch leid, dass ich da fort bin. Ich hatte damals ein tolles Angebot aus Bad Camberg im Taunus, dort machte ich im Waldhotel Musik. Ein wenig Abenteuerlust war wohl auch dabei. 😉

        Liebe Grüße zurück,
        Werner

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