Ankunft auf Borkum

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Die Strahlen der aufgehenden Sonne spiegeln sich auf den Wellen der Ems. Ihr glitzerndes Bild im Wasser wird immer größer um so weiter sich ihr glühender Feuerball in den Himmel schiebt. Bald sind die Segelboote in Emdens Außenhafen nur noch als schwarzer Schatten gegen das gleisende Licht auszumachen. Das ganze Deck der kleinen Fähre, die mich nach Borkum bringen soll, ist in goldenes, helles Licht getaucht. ‚Da haben wir ja ein Sonnendeck!‘ grinst der Mann, der meine Fahrkarte entwertet. Ich spüre die Wärme dieses beginnenden freundlichen Tages auf meinem Gesicht. Es tut gut die Augen kurz zu schließe. Ich gähne. Es ist erst 8 Uhr. Die erste Fähre legt früh ab. Das Oberdeck füllt sich. Ich suche einen Sitzplatz. Das helle Wasser glitzert als würden Perlen auf der Oberfläche treiben. Die graugoldenen Wellen bewegen sich nur leicht. Trotzdem weht eine sanfte Brise über die sich kräuselnde Wasseroberfläche. Ein leichter Wind bläst an der Nordsee das ganze Jahr. Heute zum Glück nur ein angenehmes Lüftchen. Ein Regenbogen zerreißt den strahlend blauen Himmel.IMG_20190907_095607

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Undeutlich scheinen die Hafengebäude Borkums durch den zarten Dunstschleier. Am Ufer lässt ein Kind einen Drachen steigen. Am Strand findet gerade ein Familienmarathon statt. Ein kleiner Junge rennt an der Hand seines Vaters mit hochrotem Kopf ins Ziel. Parallel dazu haut sich eine Trommelgruppe auf ihren Instrumenten die Seele aus dem Laib. Aus Lautsprechern erklinkt bekannte Musik. Ich flüchte vor dem Lärm ein paar Meter den Strand hinab. Jetzt steht die Welt still. Ich habe so viel Zeit wie ich will. Die Möwen über mir ziehen genauso träge ihre Runden in der Luft, wie ich meine an der Strandpromenade. Sogar für die Begrüßung lässt man sich hier Zeit. Überaus oft ertönt ein freundliches lang gezogene ‚Moin.‘ in meine Richtung. Das jeder Hallo sagt, ist genauso ungewohnt wie diese allgegenwärtige Entspanntheit. Auf der Strandpromenade werden die Sieger des Piratenlaufs bekannt gegeben und mit Preisen geehrt. Ich höre den Radau wie ein leises Echo.IMG_20190908_114250

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Vor mir liegen die bunten Strandkörbe und Strandzelte. Bis in die 50er Jahre hatte jeder Vermieter hier seine eigene Farbe. Jedes Zelt krönte damals ein Holzknopf, der durch das handwerkliche Geschick des Zeltbesitzers bestimmt wurde. Lange Zeit wurden die Zelte über Generationen an Kinder und Enkel vererbt. Man überbrückte durch die Vermietung die Arbeitslosigkeit in der Sommersaison, wenn kein Walfang stattfand. Eigentlich sind die Insulaner also aus Walfängerfamilien hervorgegangen. Hauptsächlich fing man Pottwale. Außer dem Mensch hat dieser kaum Feinde. Man stöberte die Wale auf und harpunierte diese von Ruderbooten aus. Eine äußerst gefährliche Arbeit. Aus dem Walrat, einer wachsähnlichen Substanz aus der Kopfhöhle des Wals wurden Kerzen hergestellt. Die Walknochen verwendete man auf der Insel zum Bau von Gartenzäunen und Türportalen. Diese kann man heute an Borkums kleinem Heimatmuseum noch betrachten. Der Waltran wurde als Lampenöl und Brennstoff benutzt. Borkum ist die einzige Ostfriesische Insel, deren Bewohner früher auf Walfang gingen. Zum Glück wird heute nicht mehr gejagt. Dafür hat Borkum als Besonderheit die hübschen bunten Strandzelte behalten. Diese findet man sonst nirgends an der Nordsee, nur hier. Grund genug um sich eines der farbigen Schmuckstücke zu reservieren. So verbringe ich dann auch den restlichen Tag. Umgeben von leuchtendem Stoff, mit den Zehen im weichen, feinen Sand und mit dem Blick aufs Meer gerichtet.

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