Auf der Vogelinsel

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Modriger Geruch hängt über der zierlichen Holzbrücke, die hinüber ins Naturschutzgebiet des Altmühlsees, der ‚Vogelinsel‘ führt. Dicke grüne Algenstränge treiben auf der Wasseroberfläche und verdecken völlig den Blick auf den Seegrund. Kleine Mücken surren leise durch die Luft. Zarte Vogelstimmen zirpen in den Ästen der Bäume ohne sich zu zeigen. Ich höre lediglich ihr sanftes Zwitschern. Meine Schritte knirschen auf dem steinigen Weg. Das Aroma nach Natur und feuchter Erde nimmt stetig zu. Hinter jedem Busch raschelt es, jeder Zweig ist in Bewegung. Auf dem Altmühlsee treibt wie ein moosfarbener Teppich grüner Schlick. Die graubraunen Fluten schwappen träge ans sandige Ufer. Mich sticht etwas in den Zeigefinger der rechten Hand. Ich löse mich aus der Hand meines Partners. ‚Aua. Was ist das?‘ Ein schwarzes Insekt hat sich in meinem Finger fest gebissen. Die durchsichtigen Flügel schlagen unauffällig und schnell. ‚Hilfe!‘ verzweifelt und reglos starre ich auf den kleinen Blutsauger. Mein Freund schnippt es davon und die Bissstelle fängt sofort an zu bluten. ‚Saug es aus!‘ meint er dann. ‚Das Gift muss raus.‘ Ich schüttle angewidert den Kopf. ‚Nee, das mag ich nicht.‘ Schließlich legt mein Partner die Lippen um die rote Stelle und zieht das Gift aus meiner Hand. Ich mustere argwöhnisch die wunde Fläche, dick wird diese zum Glück nicht.

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50 Biber leben innerhalb des Naturschutzgebietes ‚Vogelinsel‘ in Muhr am See. Insgesamt in zehn Familien. Vielleicht bekommen wir einen zu Gesicht. Wahrscheinlich müsste man dazu aber in der Dämmerung hierher kommen oder früh morgens. Dann wurde man sicher auch Vögel sehen. So hören wir zumindest die verschiedenen Tiergeräusche. Über die überschaubare Insel führt ein schmaler Rundweg vorbei an Hagebutten und Brennnesseln. Tiefschwarze Brombeeren hängen vom Rand des zierlichen Pfads ins Gras. Sanft Schwappen die Wellen ans Ufer. Hier ist es wunderbar ruhig, es sind kaum Besucher anzutreffen. Vereinzelt ragen gelbe Löwenzahnblüten aus den zartlila Sträuchern von Wasserminze am Wegesrand. Libellen surren ruhelos über der dunkelgrünen Seefläche. Eine winzige Schlange schwimmt unter dem Schilf am Seeufer entlang. Ihr kleiner Kopf ragt permanent aus dem Wasser während ihr länglicher Körper diesen vorantreibt. Ein Baumstamm ist derart in der Mitte angenagt, dass dies nur das Werk eines Bibers sein kann. Leider sehen wir während unseres Aufenthalts wirklich keinen der Nager persönlich.

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Die kurze Strecke vom Naturschutzgebiet zum Schloss von Muhr legen wir mit dem Fahrrad zurück. Man kann das Gebäude leider nicht besichtigen und nur aus der Ferne betrachten. Ich spüre ein leichtes Kitzeln an meinem Bein. Etwas krabbelt auf meinem Oberschenkel. ‚Huch. Igitt! Hilfe! Was ist das?‘ schreie ich laut und wedele panisch mit der Hand die braune kleine Spinne von meiner Haut. Ich kämpfe und verteidige mein Leben. Das Krabbeltier mit etwa 2 Zentimeter Durchmesser sucht voll Furcht das Weite und wird sich mächtig wundern. Es wohnt jetzt in der Innenstadt von Muhr am See und nicht mehr auf der Vogelinsel. Ein paar Spaziergänger sehen mich aufgrund meines plötzlichen Hilfeschreis entsetzt an. ‚Ich hab mich so erschrocken!‘ entschuldige ich mich eilig und setzte ein schmallippiges Lächeln auf um zu zeigen, dass alles ok ist. Ich hasse Spinnen und Insekten. ‚Gibt es ja gar nicht. Jetzt hab ich mir heute schon Gift aus dem Finger ziehen lassen. Und nun musste ich mich gegen eine Riesenspinne zur Wehr setzen.‘ Völlig außer Atem drehe ich mich um und blicke in ein grinsendes Gesicht. ‚Also eines verstehe ich ja nicht.‘ setzt mein Partner schmunzelnd an. ‚Da fährst du in die gefährlichsten Länder mit den giftigsten Tieren und wirst dort sogar überfallen. Aber vor so einer Minispinne fürchtest du dich.‘ Ich zucke die Achseln. So bin ich eben und im Ernstfall siegt immer mein Entdeckergeist. ‚Hast Recht.‘ pflichte ich ihm dann bei. ‚Normalerweise dürfte ich in solche Länder gar nicht fahren.‘ Mein Freund witzelt weiter. ‚Genau, in Gegenden wie hier z. B.‘ meint er dann. ‚Der Altmühlsee ist ja viel gefährlicher als Guatemala oder Mexiko. Und die Mutantenspinnen hier werden Dich in ihren riesigen Kokon ziehen, wenn Du nicht aufpasst. Sei besser vorsichtig!‘

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