Inszenierung von Propaganda

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Das leise Fiepen von jungen Entchen liegt in der Luft. Es ist ein ruhiger Tag. Skater fahren an mir vorbei. Jugendliche spielen auf dem Rasen Fußball. Die Idylle trügt über die Ereignisse der Vergangenheit hinweg. Junge Familien spazieren am Dutzendteich entlang und schieben gemächlich ihren Kinderwagen. Genau dort, wo früher die riesige NS-Propagandamaschine aufgelaufen ist. Wo die Nazi-Fahnen wehten und tausende Hände zum deutschen Gruß ausgestreckt worden sind. Hier liefen die Soldaten zu Machtdemonstrationen in Reihen und Formationen. Ich erklimme die Stufen zur Haupttribüne des Reichsparteitaggeländes in Nürnberg. Kalt fühlt sich das Metall des kleinen Balkons an, auf dem früher Adolf Hitler zur deutschen Bevölkerung gesprochen hat. Ich stehe am selben Platz wie der Mann, der für die 5 Millionen Toten im 2.Weltkrieg verantwortlich ist. Meine Unterarme ziert eine Gänsehaut. Die emotionale Kälte der Umgebung stellt alle Härchen auf. Mich packt das nackte Grausen. Ich blicke auf die gemütliche Szenerie des beschaulichen Sees. Ursprünglich war die Aushebung eigentlich für Hitlers Deutsches Stadion vorgesehen. Am Anfang der grossen Straße auf der einst die NS-Paraden entlang gingen prangt ein Willkommensschild für das Nürnberger Volksfest. Der Grundstein der geplanten Wettkampfarena liegt nur ein paar Schritte entfernt. Dieses ganze Erlebnis ist total unwirklich, völlig surreal. Aber das alles ist passiert. Und vor fast 100 Jahren genau fand hier der erste NSDAP-Parteitag statt.

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Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) entstand 1919 in München unter dem Namen ‚Deutsche Arbeiterpartei‘.  Adolf Hitler, wegen seiner rhetorischen Begabung zunächst Werbeobmann, wurde ab Juli 1921 dann Parteivorsitzender und wandelte die sektenhafte Gruppe in eine politische Kampfpartei um. Diese war radikal antisemitisch, agierte gegen die Republik und ihre Gründer sowie die daraus hervorgehende Politik. Ihr Programm enthielt antikapitalistische Forderungen in rassistischer Färbung. Besonders in Bayern hatte sie zu dieser Zeit überaus viele Anhänger und hielt daher im Herbst 1923 die Zeit reif für den Sturz der Reichsregierung. Als die Bayrische Regierung und Reichswehrdirektion ihre Mitwirkung wider Erwarten verweigerten zog Hitler am 9. November mit bewaffneten Anhängern ins Münchner Regierungsviertel. Die Landespolizei stoppte den Zug und die NSDAP wurde reichsweit verboten, ebenso deren Sturmabteilung (SA). Hitler log das Fiasko nachträglich in einen Triumph um und stilisierte die ‚Gefallenen der Bewegung‘ zu Märtyrern. Der Hochverratsprozess gegen ihn wurde nicht vor dem eigentlich zuständigen Reichsgericht in Leipzig, sondern vor dem Volksgericht München geführt, wo er auf die politische Sympathie des Richters hoffte. Hitler nutzte dadurch den Prozess als politische Bühne und profilierte sich als Führer der nationalen Kräfte in Deutschland. Er erhielt eine milde Strafe von 5 Jahren Festungshaft und wurde schon nach einem halben Jahr auf Bewährung freigelassen. Im Gefängnis überdachte er seine politische Strategie und legte diese in seinem Buch ‚Mein Kampf‘ nieder. In 16 Sprachen übersetzt erreichte es bis 1945 eine Gesamtauflage von mehr als 10 Mio. Exemplaren und machte seinen Verfasser reich.

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Politisch revidierte Hitler keine seiner Positionen. Die Reinhaltung der arischen Herrenrasse und Gewinnung neuen Lebensraums im Osten traten ins Zentrum seines Denkens. Um ein nochmaliges Verbot seiner Partei zu vermeiden, trat er jetzt für einen legalen Weg an die Macht ein. Nach der Neugründung von Partei und SA (die ohnehin verdeckt weitergearbeitet hatte) entstanden mit der Schutzstaffel (SS, Elitetruppe zum Schutz Hitlers) und der Hitlerjugend (HJ) 1925 neue NS-Organisationen. Reichsführer und Chef der Reichspolizei wurde Heinrich Himmler, der ein immer umfassenderes Bewachungssystem bis hin zur Totenkopf-SS für die Konzentrationslager errichtete und maßgeblich an der Ermordung von Mio. Menschen beteiligt war. Mit der Aufhebung aller gegen Hitler in den einzelnen Ländern verhängten Redeverbote rückte die NSDAP ab 1928 zunehmend ins Bewusstsein der Öffentlichkeit und inszenierte Politik in theatralischer Form. In Saal- und Straßenschlachten wurden Kommunisten und Sozialisten bekämpft. Wahlkämpfe führte die Partei mit einem bis dahin unbekannten Einsatz an Menschen, Material und Technik. Die SA übernahm mit Massenaufmärschen und Gewaltaktionen die Eroberung der Straße in Ergänzung zum politischen Parteiprogramm und wurde zu Propagandazwecken und gezielten militärischen Aktionen eingesetzt. Nachdem ihr bei der Reichstagswahl 1930 mit 18,3 Prozent der Stimmen der politische Durchbruch gelungen war, wurde die NSDAP 1932 mit 37,4 Prozent zur stärksten Kraft. Die ersten Reichsparteitage veranstaltete diese in Nürnberg bereits 1927 und 1929. Der Architekt Albert Speer erhielt 1934 den Auftrag eine Anlage mit entsprechenden Versammlungsflächen für die jährliche Machtdemonstration als Ort des Parteikults zu entwerfen. Luitpoldarena, Zeppelinfeld, Märzfeld und Kongresshalle sollten die zentralen Schauplätze werden. Erst der Beginn des 2. Weltkriegs brachte die Bauarbeiten weitgehend zum Erliegen.

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Nach verdeckten Armeevergrößerungen 1933 und 1934 setze man 1935 mit dem ‚Gesetz der Einführung der Wehrmacht‘ die Aufrüstung ganz offiziell fort und führte die Wehrpflicht ein, um Deutschland kriegsfähig zu machen. Das deutsche Heer umfasste bei Kriegsbeginn 3,2 Mio. Soldaten und wuchs bis 1943 auf über 11 Mio. Als am 27. Februar 1933 im Reichstag Feuer gelegt wurde nutzte Hitler dies als Vorwand zur systematischen Verhaftung politischer Gegner, vor allem Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschafter. Eine ‚Verordnung zum Schutz von Volk und Staat‘ setzte Grundrechte wie die persönliche, sowie die Meinungsfreiheit außer Kraft und schuf den permanenten Ausnahmezustand auf dem Weg zur Diktatur. Im Zuge der Verhaftungswellen waren die regulären Gefängnisse schnell überfüllt und Konzentrationslager entstanden. Vor allem die politische Opposition konnte so den rechtsstaatlichen Verfahren entzogen und isoliert werden. In den Lagern herrschte unkontrollierte Gewalt durch SA und SS. Aus den ca. 70 Haftstätten entwickelte sich das spätere staatliche KZ-System. Nachdem Reichspräsident Hindenburg den Reichstag 1933 auf Wunsch der Regierung aufgelöst hatte, fanden sofort Neuwahlen statt und die Regierungsparteien gewannen ohne dass die NSDAP in der Mehrheit war (nur 3 von 12 Mitgliedern). Man gedachte Hitler zu zähmen und seinen Massenapparat für die eigene Politik zu nutzen. So wurde im Reichstag mit Hilfe der bürgerlichen Fraktionen das Ermächtigungsgesetz verabschiedet und den Nationalsozialisten der politische Weg geebnet. Hitler stützt sich auf die besonderen Rechte des Reichspräsidenten in Notzeiten, da keine Partei die Regierungsmehrheit inne hatte. Nun konnte er sogar Gesetze mit verfassungsänderndem Inhalt ohne Zustimmung des Reichstags erlassen. Dieses Ergebnis zeigt, dass die Nazis vom Rest der Regierung gravierend unterschätzt wurden.

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Die NSDAP baute ihre Macht mit sowohl scheinlegalen Methoden und offener Gewalt rasch aus. Unerwünschte Regierungsorgane und Beamte wurden ausgeschaltet und ein reichsweiter Boykott jüdischer Gewerbetreibender organisiert. Jüdische Bücher werden verbrannt und ein Gesetz erlassen um politisch missliebige und ’nicht-arische‘ Beamte aus der öffentlichen Verwaltung zu entfernen. Es erscheint mir unglaublich, wie ein konstantes Berieseln mit Propaganda ein ganzes Volk zu Sympathisanten mit einem Wahnsinnigen macht. Der menschliche Geist in seiner Fähigkeit zum logischen Denken wird konstant ausgeschaltet und die Opposition im Keim erstickt und ausgemerzt. Menschen werden in Euphorie zu Mördern gemacht. Durch Organisationen wie Hitler Jugend und dem Bund Deutscher Mädel (BDM) beginnt die Beeinflussung der Erziehung bereits im jüngsten Alter und zieht sogleich die nächste Generation Nazis auf. Ein ausgeklügeltes und perfides System eines größenwahnsinnigen und verrückten Geistes. Hitler erschuf sich selbst als Mythos, den die Volksmassen bereitwillig glaubten in erschreckend erfolgreicher Weise. Er bevorzugte zur Selbstdarstellung Massenveranstaltungen, bei welchen der Einzelne zu einem unbedeutenden Teil des Ganzen wurde. Alles war auf ihn als Führer ausgerichtet , der persönlich oder symbolisch immer präsent und zugleich weit abgehoben war als Trugbild eines Superman. Unvorstellbar, aber Hitler verteilte bei Parteiveranstaltungen Autogramme und war damals das Idol vieler Frauen. Ein im realen Leben gescheiterter Charakter wird zum Retter einer gesamten Nation und gilt als größter Deutscher und Staatsmann. Die Vereinnahmung des Einzelnen durch die Gemeinschaft fand ihre Entsprechung in der Überhöhung Hitlers.

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Innerhalb eines Jahres zerstörten die Nationalsozialisten alle Organisationen und Institutionen, die die demokratische Ordnung verkörperten und trugen, darunter KPD und SPD. Es gab nur noch die NSDAP. An Stelle der Gewerkschaften trat die ‚Deutsche Arbeitsfront‘ (DAF), die größte Massenorganisation des ‚Dritten Reichs‘. Gruppen und Vereine aller Art wurden zu zentral gesteuerten Reichsverbänden zusammengefasst. Als 1934 Reichspräsident Hindenburg starb, übernahm Hitler auch dessen Amt und vereinigte somit die 3 höchsten Ämter ‚Reichspräsident, Führer der Staatspartei und Reichskanzler‘ in sich. Er unterschied immer weniger zwischen seinen verschiedenen Positionen und entzog sich als ‚Führer‘ agierend allen gesetzlichen und institutionellen Pflichten. Er legitimierte seine herausgehobene Stellung und unbegrenzte Machtfülle nicht mit verfassungsmäßigen und gesetzlichen Normen. Er stützte sich auf den Mythos, der ihn umgab und die Menschenmassen, die an diesen glaubten. Diesen Glauben galt es aufrecht zu erhalten und zu festigen bis dieser sowohl Öffentlichkeit als auch Privatsphäre des Einzelnen erfüllte. Die Propagandaämter von Partei und Staat stellten Hitler dazu mit aller Konsequenz und Massivität ins Zentrum aller Publik. Kaum einer konnte sich deshalb der Faszination dieses Kultes auf Dauer ganz entziehen. Nürnberg war der perfekte Ort zur Machtdemonstration, da sich die Stadt im 19. Jhd. zur wichtigsten Industriestadt Bayerns entwickelte, in deren Bevölkerung Liberalismus und Arbeiterbewegung starken Rückhalt hatten. Die Nazis verfügten hier schon früh über viele Anhänger. Die schöne Kulisse bot die perfekte Umgebung zur Inszenierung der NSDAP und als bedeutender Ort mittelalterlicher Reichstage knüpfte der Führer an die traditionelle Vergangenheit an.

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Hitler versuchte sich so als Wahrer und Erneuerer des Reichs zu präsentieren. Er fand die beste Parteiwerbung in der früheren Stadt der Reichstage als neue ‚Stadt der Reichsparteitage‘ in der für ihn deutschesten aller deutschen Städte. Nürnberg, München, Hamburg, Linz und Berlin sollten durch das ‚Gesetz zur Neugestaltung der deutschen Städte‘, das unter anderem die Enteignung von Grundbesitz erlaubte, zu Führerstädten umgestaltet werden. Im Zentrum des Nürnberger Bauvorhabens befand sich die ‚Große Straße‘, die auf Burg und Altstadt ausgerichtet war und das historische Nürnberg symbolisch mit der von NS-Seite so genannten ‚Tempelstadt der Bewegung‘ verband. Die Gesamtanlage des Reichsparteitagsgeländes dienten der nationalsozialistischen Machtdemonstration nach innen und nach außen. Die riesigen Dimensionen von Gelände und Architektur sollten die Wirkung erzeugen den Einzelnen an etwas Großem und Bedeutendem teilhaben zu lassen und zugleich den Eindruck von eigener Bedeutungslosigkeit vermitteln. Hitlers Staatskunst sollte die Überlegenheit des ‚Deutschen Herrenmenschen‘, die Militarisierung der Gesellschaft und die unterschiedliche Lebensbestimmung von Mann und Frau zum Thema haben. Die Fassaden aus Natursteinen, gebaut mit Granit aus den Steinbrüchen der KZs sollte die Monumentalität der Architektur noch verstärken. Die Insassen der Arbeitslager sollten durch unmenschliche Bedingungen in nützlicher Arbeit für das Regime vernichtet werden. Granit ist die härteste Gesteinsart und die Häftlinge arbeiten ohne Schutzanzug. Sie hatten eine Lebenserwartung von etwa 6 Monaten.

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Im Zuge der Propaganda war in Nürnberg ein ‚Deutsches Stadion‘ für NS-Kampfspiele, eine Sportveranstaltung ähnlich den olympischen Spielen, geplant. Die Kampfszenen sollten die Deutschen auf den Krieg vorbereiten. Große Straßen für die vielen Parademärsche wurden angelegt und das Vorbild für die Haupttribüne am Zeppelin-Feld, von der Hitler zur Bevölkerung spricht, wurde der antike Pergamon-Altar. Ein steinernes Zeugnis eines Größenwahns, der in einer schrecklichen Katastrophe endete. Ab 1933 stellten die Nazis die Reichsparteitage immer unter ein bestimmtes Thema, z. B. des Sieges, der Freiheit oder der Ehre. Die Veranstaltung dauerte etwa 1 Woche und begann mit einer Begrüßung am ersten Tag mit einer Festaufführung von Richard Wagners ‚Meistersinger‘ im Opernhaus, gefolgt von der Kongresseröffnung in der Luitpoldhalle mit Paraden an Hitlers Quartier vorbei. Am zweiten Tag ließ man den Reichsarbeitsdienstes (RAD) auf dem Zeppelin-Feld einmarschieren mit anschließendem Totengedenken. Der dritte Tag war der ‚Tag der Gemeinschaft‘ mit sportlichen Veranstaltungen wie z.B. Wettbewerben im Handgranatenweitwurf oder Schwimmen in kompletter Uniform. Der nächste ‚Tag der politischen Leiter‘ beinhaltete Sondertagungen und Appelle der politischen Leitungsfunktionen. Am 5. Tag erneuerte die HJ ihr Bekenntnis zum Führer. Im Anschluss gab es den ‚Tag der SA und SS‘ bei dem etwa 100.000 Parteisoldaten auf der Fahne aus der Nacht des Hitlerputsches, der ‚Blutfahne‘, einen Schwur zur gegenseitigen Treue ablegten. Mit dem ‚Tag der Wehrmacht‘ und vielen Schaumärschen und Heeresparaden endet jeweils der Reichsparteitag. Wegen der brutalen Gewalttätigkeit gegen politische Gegner während des Events hatte der Nürnberger Stadtrat versucht die Veranstaltung ohne Erfolg zu verbieten. Die NSDAP gibt ihren Anspruch auf die Stadt nicht auf.

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Die Presse in Europa und den USA verurteilte die Propagandamaschine aufs schärfste und sah Hitler bereits als Gefahr für den Weltfrieden. Die Organisationsleitung der NSDAP steuerte den Ablauf der Reichsparteitage und gab ihre Anweisungen an das Parteitagsreferat, welches die organisatorischen Aufgaben (Transport, Unterbringung und Verpflegung der Teilnehmer, Verkehrskontrolle und Aufmarschplanungen) an städtische Ämter verteilte. Nichts wurde dem Zufall überlassen. Zur Finanzierung der Feier mussten die Parteimitglieder einen Sonderbeitrag entrichten und es wurde zusätzlich Eintritt verlangt. Neben den offiziellen Teilnehmern kamen hunderttausende Besucher als Zuschauer zu den Festlichkeiten nach Nürnberg, vergnügten sich auf dem Volksfest oder ab 1937 in der von der NS-Freizeitorganisation ‚Kraft durch Freude‘ (KDF) errichteten ‚KdF-Stadt‘. Alle Attraktionen waren Propagandaprodukte um die Verbindung zwischen dem Führer und seinem Volk zu dokumentieren. Der offizielle Parteitagsfilm ‚Triumph des Willens‘ von Leni Riefenstahl zeigte Menschenmassen in gespannter Erwartung Hitlers und versuchte ganz gezielt dessen Bild als ‚Führer‘ zu prägen. Für das internationale Ansehen des NS-Staates lud man ausländische Ehrengäste ein. Wegen ihrer gespannten Beziehungen zum Regime entsandten Großbritannien und Frankreich erst 1937 ihre Botschafter nach Nürnberg, die USA folgte ein Jahr später. Mit Ausnahme der Sowjetunion waren alle bedeutenden Staaten durch Diplomaten vertreten. Als am 1. September 1939 das Deutsche Reich Polen angreift und der 2 Weltkrieg beginnt, entfällt der für den 2. September vorgesehene ‚Reichsparteitag des Friedens‘. Kurz vor dem Angriff verkünden Zeitungen im ganzen Reich die Absage.

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Innerhalb weniger Tage werden über eine halbe Mio. polnische Soldaten und Zivilisten gefangen genommen. Die große Anzahl an Gefangenen stellt die Verantwortlichen vor massive Probleme. Die vorbereiteten Lager bieten zu wenig Platz und so richtet die Wehrmacht vor allem in Norddeutschland zusätzliche Gefängnisse ein, für deren Ausstattung sie auf das Mobiliar der Reichsparteitage zurückgreift. Das Gelände wird zur Unterbringung der gefangenen Polen genutzt und die Wehrmacht nimmt in den Zeltlagern der Parteitagsteilnehmer zwei Gefangenenlager in Betrieb. Die Gebäude überdauern den 2. Weltkrieg bis zu dessen Ende 1945 als die US-Armee das große Hakenkreuz auf der Haupttribüne des Zeppelinfelds sprengt. Das bestehende Kriegsgefangenenlager wird nun als amerikanisches Internierungs- und Internationales Flüchtlingslager genutzt. Ab den 50er Jahren entstand auf dem Gelände eine Trabantenstadt und um den Dutzendteich ein Volkspark, an den der zu einer Parkanlage umgestaltete Luitpoldhain anschließt. Die dort errichteten Tribünenanlagen und die Straße des Führers mussten einer Grünfläche weichen, auf dem Freiluftveranstaltungen aller Art stattfinden. Die unvollendete Kongresshalle ging in städtischen Besitz über und wird nur pragmatisch genutzt. Der Umwandlung in ein Freizeit- und Shoppingcenter stand der Einwand NS-Bauten mit der größtmöglichen Sensibilität zu behandeln entgegen. Seit 1973 steht der ‚Kolossalstil des Dritten Reiches‘ unter Denkmalschutz. Seit 1985 kann man die Ausstellung auf dem ehemaligen Parteitagsgelände als Lernort besuchen. 1994 plante man das jetzige Museum ‚Dokumentationszentrum‘, welches 2001 eröffnete. Nirgendwo sonst in Deutschland sind derart viele Reste der NS-Architektur zu sehen. Und so kann sich heute jeder selbst von der Wirkung des riesigen massenwirksamen Propagandaapparates überzeugen. Und wie gefährlich leicht Naivität und Unmündigkeit Teil einer gefährlichen, selbstzerstörerischen Maschinerie werden können.

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