Ein Männerurlaub am Mittelrhein

Dumpf ertönt die Bootshupe des massigen Dampfschiffs. Gemächlich zieht der wuchtige Riese namens Goethe über die graugrünen Fluten des breiten Rheins dahin. Der weiße Rauch aus seinem Schornstein legt sich wie ein feiner Nebel auf die Felsen der Umgebung. Durch den filigranen, weißgrauen Schleier leuchten die dunkelgrünen Blätter der Weinreben und Burg Rheinfels, die über dem Städtchen St. Goarshausen am Rheinufer thront. Ich sitze in einem kleinen Café auf der gegenüberliegenden Uferseite in St Goar. Ruhig und entspannt betrachte ich die sich windende Gischtlinie, die hinter dem Bug auf der Spitze der Wellen dahinspringt. Ein wohltuender Wind bringt kühle Erfrischung. Der Himmel ist völlig blau und ohne Wolken. Ein kleiner Falke segelt gemütlich und ohne Anstrengung in der aufkommenden Brise. Es ist ein angenehmer Sommertag. Vor mir sitzt eine Gruppe aus männlichen Urlaubern. Ich spitze beide Ohren. Leider gerät man als Frau viel zu selten in einen Männerabend oder -Stammtisch. Dennoch fragt man sich ja gelegentlich was für Themen da wohl angesprochen werden.

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‚Mensch Markus.‘ meldet sich einer der Herren zu Wort. ‚Du hast ja ganz schön zugenommen.‘ ‚Ist überhaupt nicht wahr. Ich wiege dasselbe wie immer.‘ verteidigt sich der Angesprochene. ‚Ach, ich seh das doch.‘ sein Freund gibt sich nicht zufrieden und lässt nicht locker. ‚Das kommt wohl vom öffentlicher Dienst.‘ beurteilt er die Silhouette seines Kumpels. Der schüttelt vehement den Kopf. ‚Nee. Ich sag doch, das stimmt nicht.‘ ‚Ok. Dann hat sich Dein Gewicht seit unserem letzten Treffen wohl etwas umverteilt.‘ Mit diesem Kompromiss können anscheinend beide leben. Die Bedienung bringt die bestellten Gerichte und setzt vor jedem aus der Männergruppe einen großen Teller ab. ‚Ist das eine vegetarische Pizza. Du bist wohl nicht bei Trost.‘ beschwert sich einer lautstark. ,Ich hol gleich die Pistole, mach mich nicht schwach. Das geht doch nicht‘ ungläubig starrt einer der Herren auf den Teller seines Sitznachbarn. Der Vegetarier isst ruhig weiter. ‚Ach wo ist denn bitte mein Hähnchen?‘ vor dem Fragenden steht nur ein Teller Pommes.

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Die Kellnerin entschuldigt sich. ‚Ich dachte sie wollten nur die Fritten. Das dauert jetzt leider nochmal 15 Minuten.‘ ‚Ach das schmeckt auch in einer Viertelstunde noch.‘ enttäuscht schaut der Mann auf den Teller Pommes. ‚Seit wann esse ich denn kein Fleisch mehr.‘ setzt er dann entrüstet an seine Freunde gewandt hinterher. ‚Hast Du denn noch Hunger Uwe? Du hast doch schon zum Frühstück so viel gegessen?‘ Der Angesprochene vermisst sein Fleisch. ‚Ja klar, die paar Pommes. Wo bleibt sie denn? Die hat doch 15 Minuten gesagt?‘ ‚Ist doch ne große Portion Pommes Frites.‘ witzelt Markus, der wahrscheinlich froh ist, dass es nicht mehr um ihn geht. ‚Wenn ich normalerweise heim komme, kocht mir Elke immer was.‘ erklärt Uwe. ‚Du könntest Dir ja auch selbst was machen. Deshalb haben hier alle mit dem Heiraten abgeschlossen, nur Du probierst es noch mal.‘ meint ein scheinbar recht selbstständiger Kandidat aus der männlichen Runde. ‚Elke kocht eben sehr gut.‘ führt der Heiratswillige der Gruppe aus. ‚Und sie hat einen total witzigen Onkel, ein Typ mit dem man gut feiern kann.‘

‚Bring ihn doch mal mit, dann machen wir Party.‘ sagt Markus. Jetzt holt Uwe weiter aus. ‚Aber nicht erschrecken, der trinkt nur Kurze. Mit Bier oder Wein hält er sich gar nicht auf.‘ Ich kichere hinter vorgehaltener Hand. Es kann doch nicht sein, dass es bei einem Männerabend um solche Themen geht. Um Essen und Alkohol. ‚Kurze ist gut.‘ meint einer der Herren, dessen Name noch nicht gefallen ist. Er winkt der Bedienung. Alle bestellen Schnaps. Grappa oder Jägermeister. Die Gläser klirren kurz beim Anstoßen. ‚Wo ist denn jetzt mein Hähnchen? Müssen Sie das erst noch jagen?‘ Uwe klingt verzweifelt. Die Teller der Anderen sind alle schon leer. Die Servicekraft schaut erschrocken. ‚Oh je, ich frage schnell in der Küche nach. Tut mir furchtbar leid.‘  ‚Wir gehen dann schon mal los Uwe, kannst ja dann nachkommen.‘ ruft einer der Kumpels fröhlich. Das sieht der Angesprochene nicht so. ‚Ohne mein Hähnchen gehe ich nicht, das esse ich noch.‘ er wendet sich an die Kellnerin. ‚Sie können es mir einpacken.‘ Freudig nimmt er das kleine Paket in Empfang. ‚Wann treffen wir uns morgen eigentlich?‘ fragt Markus. ‚Wir wollen doch nochmal wandern gehen. Ich bin für 8 Uhr.‘ Entsetzte Rufe werden laut. ‚Nee, das ist völlig unmöglich!‘ sagt einer der Freunde mit Blick auf seinen Schnaps. ‚Vor zehn Uhr wird das nix. Dann hebt er die Hand. ‚Noch einen Grappa bitte!‘

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