Auf der Spur der Nibelungen

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Der FKK-Club von Worms in Rheinland-Pfalz grüßt mich mit seinem leuchtend grünen Feigenblattemblem. Das Logo sitzt direkt unter der Dachspitze des Gebäudes. Der Himmel darüber strahlt in wohlwollendem Blau. Der Frühling beginnt. Vögel zwitschern lautstark zwischen den Zweigen der noch laublosen Bäume. Ihre kleine Flügel schlagen hektisch vor dem wolkenlosen Horizont. Der Winter ist vorbei. Die Sonne kitzelt angenehm meine Nase und ein greller Tag bricht an. Die Helligkeit versprüht eine angenehme wohltuenede Frühlingsfrische. Ich verfolge beim Gehen meinen Schatten, der sich auf dem Gehsteig synchron zu meinen Schritten bewegt. Lautlos springt der graue Schemen über das Pflaster. Ich nehme mir einen Kaffee aus einer Bäckerei gegenüber des Doms mit. Der erste Schluck macht mich wach. Die kleine Stadt Worms ist Schauplatz von Teilen der Nibelungensage.

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Ich ziehe die schwere Pforte der Kathedrale auf. Vor der Saliergruft verlangsame ich meinen Spaziergang. Das sind die Ahnen von Kaiser Konrad II. ‚Ich lade Dich ein.‘ sage ich zu dem Freund der mich begleitet. Schließlich kostet der Grufteintritt 10 cent pro Person. ‚heute lassen wir es uns gut gehen.‘ Ich muss grinsen während ich das Geld in die Metallbüchse werfe. Judith II. liegt hier, deren 2. Sohn Bruno 996 zum ersten deutschen Papst ernannt wurde. Er starb 999 in Rom und ist in den Grotten des Petersdoms begraben. Ich spaziere durch die hohen Gänge des Kaiserdoms. Ein kleiner Knochen liegt in zartes Tüll eingepackt in einem eisernen Gitterhäuschen. Von wem die Reliquie ist steht nirgendwo. Immerhin kann man seine Nöte in dieser Kirche in einem Buch eintragen und durch die Padres der Kirche in ein Gebet einschließen lassen. Direkt daneben prangt ein Plakat, welches dafür wirbt Domsteine als Präsent zu verschenken oder für diese eine eigene Patenschaft zu übernehmen. Alles um den Wormser Dom zu unterstützen.

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Von hier beginne ich meinen Rundgang durch die Nibelungensage. Siegfried, ein Königssohn aus Xanten vom Niederrhein, hört von der Schönheit der Burgunderprinzessin Kriemhild. Er begibt sich an deren Hof nach Worms, um dort um sie zu werben. Siegfried war ein bekannter Held. Er hatte einst einen Drachen besiegt und in dessen Blut gebadet. Seine Haut wurde dadurch zu einem Schutzschild und unverwundbar. Außer an einer Stelle, auf die ein Lindenblatt gefallen war. Kriemhild lebt zusammen mit ihren Brüdern Gunther, Gernot und Giselher sowie ihrer Mutter Ute. Gunthers treuester Berater und Krieger ist sein Onkel, der grimmige Hagen von Tronje. In Worms angekommen, fordert Siegfried Gunther auf, mit ihm zu kämpfen. Der Einsatz soll das jeweilige Königreich sein. Doch Gunther kann Siegfried überreden, von seinem Vorhaben Abstand zu nehmen. Er lädt diesen ein als Gast bei den Burgundern zu verweilen. Bald schon ist Siegfried häufig zu Besuch. In den Wettkämpfen am Hofe übertrifft er alle anderen Helden. Oft sieht ihm auch Kriemhild bei den Spielen zu und verliebt sich dabei in den jungen Heroen.

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Als Boten die Kriegserklärung des Sachsenfürsten Liudeger und des Dänenkönigs Liudegast überbringen, bietet Siegfried den Burgundern seine Hilfe an. Diese nehmen das Angebot an. Gemeinsam ziehen sie mit einer Schar Krieger dem Feind entgegen. Nach schwerem Kampf strecken die Sachsen und Dänen die Waffen und müssen schwören, dass sie Burgund nie wieder angreifen werden. Eines Tages hört Gunther von der schönen Brünhild von Island und wünscht sie zu seiner Frau. Jedoch will diese nur denjenigen zum Mann nehmen, der sie im Wettkampf besiegt. Viele waren schon angetreten, aber keiner hatte den Wettstreit gewonnen. Zudem erwartete die Unterlegenen nach ihrer Niederlage der Tod. Gunther will trotz dieser großen Gefahr nach Island reisen und um Brünhild werben. Hagen rät Gunther, Siegfried um Hilfe zu bitten. Dieser will gerne unterstützen, wenn er dafür Kriemhild zur Frau erhält. Gunther nimmt das Angebot an und so bricht er zusammen mit Siegfried, Hagen und Hagens Bruder Dancwart nach Island auf.

 

 

Dort angekommen lässt sich Gunther auf den Wettkampf mit Brünhild ein. Eigentlich tritt aber Siegfried gegen die Königin im Speerwurf, Steinstoß und Weitsprung an. Er hat eine Tarnkappe angelegt und ist so unsichtbar. Auf Grund Siegfrieds Stärke und Geschicklichkeit muss sich die isländische Königin bald geschlagen geben. Sie folgt Gunther, von dem sie sich besiegt glaubt, nach Worms. Nach der Rückkehr findet die Doppelhochzeit statt. Als Gunther mit Brünhild die Hochzeitsnacht verbringen will, wehrt sich diese und bindet ihn mit ihrem Gürtel. In seiner Not bittet der König Siegfried abermals um Hilfe. Dieser legt in der nächsten Nacht wieder seine Tarnkappe an und begibt sich ins Schlafgemach. Im Dunkeln bricht er Brünhilds Widerstand, die wiederum glaubt, dass Gunther sie bezwungen hat. Siegfried nimmt Brünhilds Ring und Gürtel mit sich.

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Mehrere Jahre später gerät Brünhild mit Kriemhild in Streit über den besseren Ehemann. Da offenbart diese, wer die Isländerin im Bett wirklich bezwungen hat und zeigt dieser ihren Ring und Gürtel. Brünhild erkennt nun den Betrug und bricht in Tränen aus. Hagen von Tronje, der das Leid seiner Königin sieht, will Siegfried für seinen Verrat büßen lassen und fordert seinen Tod. Gunther beschwichtigt Hagen, willigt dann aber in die Ermordung Siegfrieds ein. Kriemhild näht ein Kreuz auf Siegfrieds Gewand an der Stelle, wo dieser verwundbar ist. Auf der Jagd, als er sich über eine Quelle beugt, stößt Hagen ihm am gekennzeichneten Platz den Speer zwischen den Schultern hindurch ins Herz. Seine Leiche wird heimlich vor Kriemhilds Tür gelegt.
Nach dem Tod ihres Ehemanns lässt Kriemhild den Nibelungenschatz nach Worms bringen. Hier verteilt sie freigiebig das Gold. Hagen, der befürchtet, dass sie auf diese Weise zu einer Gefahr werden könnte, bringt den Schatz in seine Gewalt und versenkt ihn an einem geheimen Ort im Rhein. Er wurde bis heute nicht gefunden, obwohl man ausgiebig nach ihm gesucht hat.

 

 

Etzel, der mächtige Hunnenkönig, dessen Frau  verstorben ist, freit nun um Kriemhild. Diese nimmt die Werbung an und begibt sich ins Hunnenland. Dreizehn Jahre lebt sie dort. Das Paar hat einen Sohn und genießt beim Volk große Ehrerbietung. Doch in all den Jahren hat sie das Leid, dass ihr Gunther und Hagen zugefügt haben, nicht vergessen. Kriemhild überredet Etzel, dass er die Burgunder zu einem Fest an den Hunnenhof einlädt. Hagen rät dem Burgunderkönig von der Reise ins Hunnenland ab, wird jedoch überstimmt. Sie rüsten sich für die Reise und am Ende ziehen tausendundsechzig Ritter und neuntausend Knechte zu den Hunnen nach Ungarn. Hagen setzt mit einer Fähre, dessen Fährmann er getötet hatte, die Burgunder über die Donau. Nachdem er am anderen Ufer angelegt hat, zerstört er die Fähre. Drei Feenfrauen hatten ihm geweissagt, dass die Burgunder untergehen würden.

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Auf dem Weg durch Bayern werden die Burgunder von den Bayern Gelpfrat und Else angegriffen, die den Tod des Fährmanns rächen wollen. Doch sie erleiden eine schreckliche Niederlage. In Etzels Reich angekommen, begegnen das Burgundergefolge Dietrich von Bern, der sie vor Kriemhild warnt. Am Hof werden die Knechte getrennt von den Rittern untergebracht. Die Hunnenkönigin begrüßt ihre Verwandten mit falscher Freundlichkeit. Kriemhild überredet Bloedel, den Bruder Etzels, die Burgunder anzugreifen. Als die Ritter bei Tische sitzen, begibt sich dieser mit bewaffneten Männern zu den Knechten und erschlägt alle. Als Hagen von der Massenermordung erfährt, zieht er sein Schwert und tötet Kriemhilds Kind. Die Burgunder richten ein Blutbad unter den Saalgästen an. Nur mit Hilfe Dietrich von Berns gelingt es Etzel und Kriemhild, aus dem Saal zu entkommen.

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Kriemhild bietet daraufhin demjenigen große Reichtümer an, der Hagen von Tronje erschlägt. Irinc von Dänemark und Irnfrit von Thüringen folgen dem Aufruf der Königin mit tausend Mann. Sie verlieren alle ihr Leben. Als Kriemhild ihre Brüder auffordert, Hagen herauszugeben, weigern sich diese mit dem Hinweis auf ihre Treuepflicht. Da lässt die Königin den gesamten Saal anzünden. Die Burgunder, die von der Hitze gepeinigt werden, trinken in ihrer Not das Blut der Toten. Nachdem das Feuer erloschen ist, folgt ein neuer Angriff der Hunnen, der von den Burgundern abermals zurückgeschlagen wird. Etzel und Kriemhild befehlen Rüdiger von Bechelaren, der dem Hunnenkönig Untertan ist, die Burgunder anzugreifen. Schweren Herzens beginnt Rüdiger den Kampf. Gunthers Gefolge wehrt sich weiterhin wie die Löwen und alle gegnerischen Krieger fallen.

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Dietrichs Männer fordern hierauf Rüdigers Leichnam heraus. Die Burgunder verweigern dies und es kommt abermals zum Kampf. Am Ende sind von Dietrichs Leuten nur Meister Hildebrand, von den Burgunden nur Hagen und Gunther übrig. Von Hagen verwundet, kehrt Hildebrand mit der Nachricht der Niederlage zu Dietrich zurück. Als dieser vom Tod seiner Männer erfährt, begibt er sich zusammen mit dem letzten Überlebenden zu Gunther und Hagen. Im anschließenden Kampf überwältigt Dietrich beide. Gefangen werden sie vor Kriemhild geführt. Diese lässt sie getrennt einsperren und fordert Hagen auf, ihr den Nibelungenschatz zurückzugeben. Hagen sagt Kriemhild, dass er niemanden den Ort des Schatzes preisgeben werde, solange einer seiner Herren noch lebt. Daraufhin lässt Kriemhild Gunther den Kopf abschlagen und zeigt ihn Hagen. Dieser beschimpft die Königin und verweigert ihr erneut den Ort des Schatzes zu nennen. Da wird auch Hagen geköpft. Als Hildebrand die Untat der Königin bemerkt, haut er sie in Stücke. Und zum schluss war praktisch niemand mehr übrig. Frauen! Manchmal verhindern sie Kriege, genauso oft zetteln sie aber auch welche an.


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