Still ruht der Ammersee

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Das Erleben von positiver Emotion. Durch einen angenehmen Anblick. Einsam und still ruht die glänzende Seefläche direkt vor mir. Nicht ein Hauch kräuselt den Wasserspiegel der Oberfläche. Ein paar winzige Schneeflocken rieseln vom grauen Himmelszelt herab. Sanft und in einem langsamen Schweben landen diese auf meiner Mütze. In gleichmäßigem Sinkflug segelt ein zierlicher Eisstern auf meine Nasenspitze. Die Hitze der Haut schmilzt ihn sogleich zu einem kalten Hauch. Ein kühler Tropfen, der gemächlich an meiner Wange herab gleitet. Ich genieße den Ausblick auf den bayrischen Ammersee. Diese völlige Weite der schimmernden Wasserfläche. Soweit mein Auge reicht glitzern in dunklem Blau die Wellen vor mir. Sanft schwappt das Wasser bis zu meinen Füßen. Meine Fingerkuppen in den Handschuhen sind völlig taub vor Kälte.

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Ich hauche meinen heißen Atem zwischen die ledernen Fäustlinge. Meinen Händen versuche ich dadurch wieder Leben einzuhauchen. Ich biege die starr gefrorenen Finger. An den Geschäften in Herrsching hängen Sterne aus hellen Lichtern inmitten dunkelgrüner Tannenzweige. Die grellen Lampen leuchten regelmäßig und gleichbleibend zwischen dem frischen Grün der Äste. Vor dem See steht verlassen ein großer Weihnachtsbaum. Grelle Plastikkerzen scheinen hell zwischen den Zweigen. Der verblichene Rest der winterlichen Festtage. Einsam wartet der Baum auf den Abtransport. Die morschen und vertrockenen Triebe recken sich müde und brüchig zu den glitzernden Plastikeiszapfen de Hotelvordachs gegenüber. Bald wird auch der letzte Rest Weihnachtsdekoration abgenommen und für das kommende Fest weggepackt sein.

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Die winterliche Tristesse hält dann gänzlich ohne festlichen Schmuck Einzug in die Wintermonate. Eine wohltuende Gemütlichkeit und Besinnlichkeit ohne großen Schnickschnack. Das Wasser des Sees und die Enten darauf sind begleitet von einem schattigen Grau. Die Wellen liegen reglos. Kaum wahrnehmbar ist die Bewegung des Gewässers. Träge und behäbig hebt sich die spiegelnde, dunkle Oberfläche von der leichten und kalten Brise des Windes beeinflusst. Es gibt Eindrücke, die uns erschaudern lassen. Ich empfinde Ehrfurcht. Weil ich in diesem Moment völlig unbedeutend bin. Ich genieße einfach den Augenblick, in dem ich vor der weitläufigen Wasserfläche stehe. Es ist eine Mischung aus Staunen und Respekt, Bewunderung und Beklommenheit. Eine typische und belebende Reaktion auf eine Begegnung mit dem uns umgebenden Wesen der Natur.

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In den blattlosen Zweigen und Ästen der laublosen Bäume zwitschern vereinzelt und einsam Vögel ihr zartes Lied. Die Boote an der Schiffsanlegestelle sind mit Planen für den Winter abgedeckt. In Isolation warten diese auf die nächste Saison. Gänse bevölkern anstelle von Badegästen den grauen, brach liegenden Sandstrand am See. Von Besuchern keine Spur. Ich bin absolut allein. Die Kälte legt sich wie ein willkommener Mantel über mein Gesicht. Kälte überzieht mit einer frostigen Gänsehaut Hals und Wangen. Das einzige Gefühl, das ich spüre. Meine Schritte knirschen auf dem gefrorenen Eis des Bodens. Ich sehe meinem Atem nach, der als warmer Hauch in die Höhe steigt. Dann atme ich tief die frische und kalte Luft der winterlichen Umgebung ein. Schmerzhaft brennt jeder Atemzug der eisigen Umgebung in meiner Lunge.

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Frostige Kälte macht sich in meinem Brustkorb breit. Ich lege eine Hand auf mein Herz. Innerlich fürchte ich, es könnte in der Szenerie dieses kühlen Januars einfrieren. Meine Finger wärmen mein Innerstes. Ich spüre wie eine wohlempfundene und behagliche Wärme sich in meinen Gliedern ausbreitet. Ein behutsames Gefühl der Geborgenheit. Leicht durchströmt diese meine Beine und Hände und sammelt sich in meinem Bauch. Dennoch ist die Kälte ein ständig wahrnehmbarer Kontrast. Ich kann diesen nicht abschütteln. Stille umgibt mich. Ich bin der einzige Spaziergänger. Auf angenehme Weise bin ich absolut allein. Die Wege am Seeufer sind völlig verlassen. Durch die kühle Atmosphäre spüre ich die Intensität des winterlichen Moments in durchsichtiger Klarheit. Ich stecke meine Hände in die Stofftaschen meines Mantels. Ein fader Tag dieser stillen Jahreszeit zieht an mir vorbei. Und lässt mich zufrieden zurück.

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