Kürbiszeit

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Gestern wurde meine Reha bewilligt. Ich sitze alleine im Zug und kann meinen Gedanken nachgehen. Alle Ideen schwirren in flottem Tempo durch meinen Kopf. Wie so oft in letzter Zeit reflektiere ich mein derzeitiges Leben. Mir ist ganz schwindelig. Dennoch bin ich absolut entspannt. Ein Teil meines Lebens ist vorbei, ein anderer fängt an. Ich fühle mich wie bei einem Neustart, als stände ich vor einem riesigen Resetknopf. So wie eine kurze Pause in der im Leben mal aus Erschöpfung der Vorhang fällt und sich nach wenigen Minuten mit gänzlich neuen Szenen öffnet. Man darf gespannt sein, was sich einem darbietet. Ich bin daher nicht traurig. Ich freue mich eher auf das Kommende. Es ist erstaunlich wie fragil wir werden können, wenn ein kleiner Baustein in unserem Alltag verrutscht. Das Unterbewusstsein und der eigene Körper streiken und funktionieren nicht mehr.

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Eine Wahl gibt es nicht. Dieses Versagen muss man als Teil von sich annehmen. Es nicht als Niedergang oder Niederlage ansehen, sondern als Weiterentwicklung. So ist es auch bei mir. Eigentlich wollte ein Freund von mir mitfahren. Ihm war aber direkt am Bahnsteig kurzfristig furchtbar schlecht geworden. In der Fensterscheibe der Bahn fliegt das herbstliche Rot, Orange und Gelb der auf den Herbst eingestimmten Bäume vorbei. Die Landschaft wandelt sich um den Winter zu begrüßen. Mein Zug hält in Niefern. Der Partner einer Freundin lebt in diesem winzigen Kaff. Ich denke an meine Bekannte und schaue durch die Waggonscheibe auf die langweiligen Häuser. Mein heutiges Ziel ist Ludwigsburg. Dort gibt es eine Kürbisausstellung in der Umgebung des Schloss Favorite. Mit Kürbissen in allen möglichen Farben und Formen werden Tiere und Situationen nachgebildet. Auf die Ausstellung bin ich gespannt.

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Schwerfällig öffnen sich die Türen des Zuges. Genauso langsam laufe ich hinaus. Es ist nur ein kurzer Spaziergang zum Palast. So früh am Morgen zieht sich die Strecke dennoch elendig hin. Was würde ich darum geben ein Morgenmensch zu sein! Dennoch bin ich keiner. Es ist erstaunlich was man aus Kürbissen machen kann. Überall im Garten des Schlosses sind Stände mit den Kürbisköpfen in allen herbstlichen Farben zu erreichen. Teilweise halten die kunstvollen Gebinde nicht mehr und einzelne Kürbiskugeln liegen neben den besonderen Gebilden. Es ist der letzte Tag der Ausstellung. Auf dem Rückweg zum Bahnhof mache ich auf dem Marktplatz eine Pause. Ich setze mich auf einen Stuhl des einladenden Kaffees und blicke auf das rege Treiben um mich. Es ist unheimlich wohltuend die Lebendigkeit der Menschenmenge zu beobachten. Überall auf dem Wochenmarkt liegen ebenfalls Kürbisse an den Ständen.

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Dieses Gemüse ist wirklich omnipräsent. Daneben bieten Händler Obst und Gemüse an. Es gibt Bio-Hähnchen und Eier oder Käse. Hier findet man wirklich alles. Ich schaue zufrieden und interessiert auf die lebhafte Menge. Menschen zu beobachten ist definitiv eine meiner liebsten Zeitvertreibe. Eine alte Frau schiebt sich mühselig mit ihrem Rollator durch meinen Blickwinkel. Ein älteres Ehepaar blickt sich nachdenklich in die Augen und überlegt was noch gekauft werden muss. Eilig und unpersönlich bringt mir der Kellner den bestellten Kaffe. Ich nippe an dem heißen Getränk und verbrenne mir die Oberlippe. Ich befühle mit dem Finger die schmerzende Stelle. Für viele oder die meisten Einwohner Ludwigsburgs bedeutet der muntere und unstete Marktbesuch wahrscheinlich den Beginn und das Einläuten des Wochenendes. Für mich ist dies der Anfang eines neuen Lebensabschnitts.

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