Halloween auf Frankenstein

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‚Beiß Dir gefälligst selbst eine.‘ der Tonfall meines Freundes klingt energisch. Verblüfft blickt mich der Vampir in viktorianischer Kleidung an. Dann zuckt er unschlüssig zurück. In unserer Verkleidung sehen wir aus wie echte Schauspieler. Solche, wie sie auf der Burg Frankenstein bei Darmstadt engagiert werden, um an Halloween die Besucher der Festung zu erschrecken. Um uns rühren Hexen in riesigen Gusseisentöpfen aus denen träge giftgrüner Rauch schwebt und gelbliche Seifenblasen steigen. Skelette schleichen mit imposanten Äxten bewaffnet durch die engen Gassen um sämtliche Zugänge im Inneren des Schlosshofs zu verteidigen. Teufel mit roten Gesichtern und zierlichen weißen Hörnern auf ihrer Stirn blecken ihre Zunge in meine Richtung. In der Dunkelheit zucke ich vor einem übergroßen Klonkrieger in einer schweren Rüstung zurück.

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Apathisch und gespenstisch kreuzt ein Abt mit blutverschmiertem Gewand meinen Weg. Frankenstein läuft mit abgehackten, unkoordinierten Bewegungen an mir vorbei. Neben mir baumelt ein Unglücklicher in einem Schandkäfig. Ein paar Gobelins stehen daneben und drehen das Holzgestell kontinuierlich. ‚Nein. Bitte.‘ heult der Insasse während dieser sich unerbittlich im Kreis bewegt. Ich stehe vor einem Friedhof. Einer der Särge ist leer. Mit hinkenden Bewegungen und recht flink trotz ihrer Schwerfälligkeit nahen ein paar Orks. Sie laufen an einem großen Holzkreuz vorbei zu einer Horde Halloweenbesucher. Neugierig stelle ich mich auf die Zehenspitzen, um zu sehen was da vor sich geht. Der Scharfrichter führt den Verurteilten herbei. Ich halte den Atem an. Der Vermummte hält ein glühendes Eisen ins Feuer. ‚Schuldig. Der Angeklagte ist für schuldig befunden.‘ tönt eine tiefe und sonore Stimme in unüberhörbarer Lautstärke über die Menschenmenge hinweg.

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Der Henker reißt das Shirt des Verurteilten nach oben. Das glühende Eisen brennt sich zischend in dessen Haut. Der verzweifelte Mann stößt einen schrillen Schrei aus. Schon kommt Leben unter die Festbesucher. ‚Hängt ihn.‘ ruft der erste. Immer mehr Stimmen folgen. So muss dies auch im Mittelalter abgelaufen sein. Hinrichtungen zum Vergnügen und der Unterhaltung des Volkes. Damals gab es noch kein Fernsehen und kkeine Computerspiele. Die Menschen mit solchen Darbietungen begeistern und Fernsehen gab es ja damals noch nicht. Die Zeiten haben sich nicht verändert, die Jahrhunderte sind einfach nur schnell vergangen. Der Chor der Menge schwillt an. ‚Hängt ihn! Hängt ihn!‘ schreien nun mehrere hundert Münder. Begeistert heben die Schreihälse bei jedem Ruf mit Nachdruck die Hände in die Höhe. Der Henker schiebt dem Gefangenen die Schlinge um den dürren Hals. Dann zieht er fest zu. Es ist angerichtet!

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