Am Strip von Chiang Rai

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Große Wasserflächen ziehen am Busfenster vorbei. In regelmäßigen Abständen ragen die grünlichen Büschel der Reispflanzen aus den feuchten Tümpeln. Das seichte Wasser schimmert in einem dunklen moosgrün. Menschen arbeiten auf den Feldern keine, die Pflanzen müssen erst noch wachsen. Die Landschaft verändert sich je mehr wir ins Bergland Thailands kommen. Der Norden des Landes ist durch gebirgige Regionen geprägt. Die Menschen leben oft von der Landwirtschaft. Schlichte Häuser in traditioneller Bauweise und ohne reiche Verzierungen prägen das Straßenbild. Die Sehenswürdigkeiten von Chiang Rai sind weit um die überschaubare Stadt verstreut. Der Ort an sich hat außer einer entspannten Atmosphäre wenig zu bieten. in der Innenstadt reihen sich Restaurants, Cafes und Geschäfte in einem unregelmäßigen Sammelsurium aneinander. Klapprige Roller und Autos hinterlassen auf ihrer wilden Fahrt durch die Straßen einen Hauch aus Abgasen und aufgewirbeltem Dreck, der sich mit den Essensdüften mischt und das chaotische Aroma vervollständigt. Ich buche einen Ausflug für den nächsten Tag um die gesamte Umgebung des Goldenen Dreiecks zu erkunden.

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Die verbrannte Haut auf meinem Rücken fühlt sich inzwischen samtweich an. Kleine weiße Partikel lösen sich bereits und geben den Blick auf eine gleichmäßige Bräune frei. Ich häute mich wie der Gecko meiner Schwester. Während in Deutschland alle versuchen braun zu werden ist das Schönheitsideal in Thailand ein völlig anderes. Schon immer war eine weiße Hautfarbe in Asien ein Statussymbol. Je heller die Haut desto besser. Menschen mit brauner Haut sind arm und werden verspottet. Man ruft sie Dtam, Schwarzer. Wer dunkle Haut hat, der arbeitet auf dem Feld oder auf dem Bau, er verrichtet einen niederen Job. Im Gegensatz dazu stehen die erstrebenswerten Berufe, die „white collar jobs“. Arbeit in Büros, mit gutem Verdienst, in klimatisierten Räumen, ohne bräunende Sonneneinstrahlung. Wer in Asien etwas auf sich hält, der will blass aussehen.

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Es gibt daher nur Sonnencreme die auch ‚Weiß-Mach-Faktoren‘ enthalten, die Haut also zusätzlich bleichen. Eine ganze Industrie widmet sich in Thailand der professionellen Hautaufhellung: Weiß um jeden Preis! Vielen Frauen lassen sich dafür regelmäßig einen Medikamentenmix spritzen, der die Produktion von Melanin in der Haut unterdrückt. Ohne den körpereigenen Farbstoff verliert die Haut allerdings ihren natürlichen UV-Schutz und diese Frauen sind stark Hautkrebs gefährdet.  In der Apotheke kosten Markenprodukte bis zu 2200 Baht – ein Fünftel des durchschnittlichen monatlichen Bruttolohns. Die ärmere Bevölkerungsschicht kauft solche Cremes auf den Märkten. Zwischen Garküchen und Haushaltsbedarf werden hier auch Kosmetika verkauft. Diese Produkte führen zu Hautrötungen und Ausschlägen und können die ganzen Gesichter der Frauen entstellen und ruinieren. Mehr als 50 dieser Präparate sind von den Behörden schon verboten worden. Leider werden die Verantwortlichen selten gefasst.

In einem Tempel, den ich besichtige, beten kniende Mönche inbrünstig und in ihre gesungenen Worte versunken. Deshalb darf ich die Kapelle nicht betreten. Ich beobachte ihren religiösen Eifer und schlendere weiter die Straßen entlang. ‚Want a Massage?‘ an jedem Geschäft werde ich angesprochen, ob ich mich nicht massieren lassen will. Diesen englischen Satz kennt so ziemlich jeder Thai. Ob Kopf, Füße oder ganzer Körper, in diesem Land kann man sich so gut wie jedes Körperteil durchkneten lassen. Ich suche auf dem Night Market etwas zu essen. Auf dem Fleisch der Essensstände tummeln sich Horden von Fliegen. Die pralle Sonne knallt auf die angebotenen Waren und die umgebende Hitze wird durch die vielen offenen Grills und Herdstellen ins unerträgliche gesteigert. Ich wische mir die Schweißperlen der Nachmittagssonne von der Stirn. Die mit Klebebändern gefangenen und verendeten Insekten türmen sich unter den Garküchen zu Bergen toter Flieger und Mücken. Angewidert sehe ich weg. Ich kann hier an der Straße auf keinen Fall Lebensmittel kaufen. Die Vorsicht vor Magenbeschwerden und mein Ekel treiben mich in ein überdachtes Restaurant. Zumindest bin ich hier vor der intensiven Sonne geschützt. Je heller die Haut desto besser!

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