Die noch ältere Hauptstadt

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In Sukothai fällt mir das Ausatmen leicht. Mit Bangkok lasse ich den Smog aus Abgasen, Essensgerüchen und menschlichem Schweiß zurück. Mein Hostel liegt direkt vor der archäologischen Ruinenstätte. Die Tempel hier sind wunderbar erhalten und verströmen eine angenehme Stille und Isolation. Die kühle Brise vom Wasser zaust sanft in meinen Haaren. Lange dunkle Schatten werfen die von den Strahlen der Mittagssonne erhitzten Steinen.  Immer wieder strömen Horden an asiatischen Touristen durch die historische Anlage und zerreißen für Minuten die Ruhe. Reglos sitzen die vielen gut erhaltenen Buddhas im Meditationssitz und blicken mit einem weisen wissenden Lächeln auf die vielen kleinen Teiche der Anlage. Immer wieder durchbricht ein überschaubarer zierlicher See das Tempelfeld. Es wird immer heißer. Die Haut auf meinem Rücken konnte ich gestern vor Schmerzen schon kaum ins Kissen meiner Unterkunft drücken. Langsam wird das Brennen auf meiner Rückseite unerträglich.

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In einem kleinen Supermarkt kaufe ich Sonnencreme. Während meine Hände das Gel verreiben, jammere und schimpfe ich still vor mich hin. Sukothai ist seit dem 12. Jhd. besiedelt und das erste thailändische Königreich. Die gesamte Anlage gehört seit 1991 zum Welterbe der UNESCO. Erst als Ayutthaya gegründet wurde und sich dieses in kurzer Zeit zu einem florierenden Handelszentrum entwickelte brach die Bedeutung Sukothais ein. Viele der Mauern, der mehr als 20 Tempel sind überaus gut erhalten. Ebenso wie der alte Königspalast. Einige der heiligen Stätten sind nicht Buddha, sondern Shiva, dem Hauptgott des Hinduismus gewidmet. Dieser verkörpert Schöpfung und Neubeginn ebenso wie Zerstörung. Er ist der Gott der Gegensätze. Ich beende meinen Spaziergang und setze mich in eines der Restaurants von Sukothai. Krokodil gibt es hier und das bestelle ich auch zusammen mit gebratenem Gemüse. Es schmeckt fast wie Rindfleisch, allerdings ist das Fleisch ganz weiß.

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Ein Tuk Tuk bringt mich durch die Mittagshitze und vor der Sonne geschützt zum Busbahnhof von Sukothai. ‚In Chiang Mai ist es noch viel heißer als hier.‘ erklärt mir der Fahrer mit dem Blick auf meinen verbrannten Rücken grinsend. Ich befühle die schmerzenden Stellen. Mit jedem Sonnenstrahl berührt mich ein glühendes Eisen und brennt sich mit der geballten Kraft des Lichts in die wunde feuerrote Haut. Jeder neue Lichtstrahl der gleisenden Mittagssonne entlockt mir ein gequältes Stöhnen. Ebenso wie jedes Schlagloch der Straße, das meinen Rücken auf dem Weg zum Bahnhof immer wieder fest an die metallene Lehne meines Sitzes drückt. Ich flüchte in den Schatten des Bahnhofsgebäudes. Den nächsten Bus nach Chiang Mai erreiche ich gerade so. Mich in den Sitz zurück zu lehnen ist wegen der sofort auftretenden Schmerzen unmöglich. Bei jeder zufälligen Berührung ziehe ich die Luft scharf durch die zusammen gebissenen Zähne ein. Mit beiden Händen halte ich mich während der gesamten Fahrt am Sitzpolster vor mir fest. In dieser unbequemen Haltung gelingt es mir zumindest den Rücken nicht abzulegen.

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Im Sammeltaxi ins Zentrum nach Chiang Mai treffe ich Roxanna, meine französische Zimmernachbarin von gestern. ‚Verfolgst Du mich?‘ lächelt mich das bekannte Gesicht an. Die Französin hatte ein Zimmer ohne rote Ameisen und Spinnen und hat daher wesentlich besser geschlafen. Meine Unterkunft liegt an der beliebten Sunday Marketstreet. Wie der Name schon sagt reihen sich hier abends Straßenstände aneinander, die so ziemlich alles verkaufen was es in Thailand gibt. Mit meinem Handgepäckkoffer gibt es hier fast kein Durchkommen. Bis mich die thailändische Gelassenheit nervt und ich meinen Koffer nutze um mir den Weg frei zu schubsen. Ich rolle über zahlreiche Füße in Flip Flops, murmele umgehend und fortwährend Entschuldigungen und ziehe meinen Koffer unbarmherzig durch die Menschenmenge. Endlich finde ich die zierliche Straße in der mein Hotel liegt und bin auch bald auf meinem Zimmer. Der Eingang der kleinen Gasse war durch einen der Verkaufsstände verdeckt. So als würde es die Straße gar nicht geben. Und bei dem Getümmel vor der Tür wäre mir das auch gerade Recht.

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3 Gedanken zu “Die noch ältere Hauptstadt

  1. Du arme, so verbrannt habe ich mir den Rücken damals in der Karibik; ich bin morgens vor Schmerzen aufgewacht 🙂 Das ist nicht schön… Hattest du nichts zum Überziehen? 😉 Lg Kasia

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