Der Palast des Königs

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Auf einem goldenen Thron sitzt ein Smaragdbuddha. Mein Auge verfängt sich in dem lieblichen Grünton der Buddhastatue im ‚Wat Phrae Kaeo‘, einfach weil dieser so selten ist. Der Tempel ist dem aktuellen Palast der Königsfamilie angegliedert. Die Eingänge sind fast nebeneinander. Die meisten Buddhas in Thailands Tempeln sind goldbeschichtet, daher ist dieser Grünfarbene eher ungewöhnlich. Ich verlasse die heilige Stätte und strebe zum Königsschloss. Beständig weist ein Pfeil nach rechts ebenso wie die Handgesten der vielen Wärter vor den verschiedenen Eingängen. Ich schlendere zum Eingang des Königspalasts für Touristen. Als Besucherin umrunde ich die weißen Mauern ungewiss, ob irgendwann und irgendwo das wirkliche Tor zum Schloss auftaucht oder dieses aufgrund des ‚Holy Buddha Day‘ heute noch geschlossen ist. Der Buddha im Tempel des Palasts durchläuft bis 12 Uhr dieses Tages eine wichtige religiöse Zeremonie. Die Öffentlichkeit ist dabei nicht erwünscht.

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In der Anlage der Königsfamilie muss ich ein T-Shirt kaufen bevor ich eintreten darf. Mein Trägerkleid ist auch mit um die Schultern gebundenem Tuch zu freizügig. 5 Euro kostet das Shirt. Wirklich notwendig wäre es nicht und der Preis ist völlig überzogen. Im Bezug auf ihre Königsfamilie und buddhistischen Tempelanlagen sind die Thailänder aber sehr streng was sichtbare Haut betrifft. Es ist eben Teil ihrer Kultur. ‚No sexy Madam, no sexy.‘ ruft unsere Reiseleiterin zu einer jungen Frau, die in Erwartung eines gelungenen Fotos ihre Schultern und ihr T-Shirt vor dem Königspalast entblößt. Schnell zieht die Touristin ihre Wollweste wieder zu. Die winzigen Mosaikteilchen aus Glas und die bunten Muscheln vermischen sich mit dem vergoldeten Stuck der Fassaden zu hinreißenden Mustern. Eine Verzierung, die dem Auge schmeichelt und dieses bannt ohne sich abwenden zu können.

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Die Sonne schickt ihre heißen, gleisenden Strahlen auf die bunten Palastwände und -dächer. Diese reflektieren das Licht in einer überwältigenden Farbenpracht auf den steinernen Innenhof. Die Reflektion des vielen Goldes tut mir in den Augen weh. Ich schließe geblendet die Lider. Die Besucherzahlen sind unüberschaubar. Ständig tritt mir jemand auf den Fuß, rempelt mich an oder schiebt seine Hände in der Hoffnung auf ein gutes Foto direkt vor meinem Oberkörper durch. Nur um unmittelbar vor mir ein Bild zu machen und ja nichts zu verpassen. Diese fehlende körperliche Distanz in der riesigen Menschenmasse nervt und strengt an. Die vielen Menschen nehmen dem ganzen Areal den Glanz und lassen nur ein plumpes Gedränge zurück. Es gibt keine angenehme Distanz zu meinem Gegenüber nur eine rücksichtslose Invasion der Menschenmassen. Ich möchte meine persönliche Komfortzone nicht aufgeben und flüchte nach draußen.

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Mit einem gewissen sicheren Abstand macht Menschen beobachten unheimlich Spass. Ich will heute Nachmittag weiter in den Norden Thailands reisen. Nach Sukothai, einer noch älteren Königsstadt als Ayuthaya. Ich sitze auf einem unbequemen Plastiksitz im Busbahnhof Mo Chit im Norden von Bangkok. Neugierig blicke ich auf die wartenden Passagiere. Einer Frau mir gegenüber fehlen die meisten Vorderzähne. Die übrig gebliebenen hängen bei geschlossenem Mund leicht über die Lippen wie bei einem schlecht sitzenden Gebiss. Sie bemerkt meinen Blick und strahlt mich mit ihrem zahlosen Mund an. Ihre Lippen öffnen sich beim Grinsen weit und geben den Blick auf die vielen Zahnlücken frei. Ich erwidere ihren Gruß und lächle zurück. Ich will nicht unhöflich sein und achte darauf, sie nicht anzustarren und ständig auf ihre herausragenden Zahnspitzen zu sehen. Morgens und abends immer Zähne putzen, denke ich innerlich lautlos. Die Fahrt nach Sukothai dauert 6 Stunden und kostet gerade mal 5 Euro. Es ist unfassbar günstig wie wenig hier alles kostet.

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Im Bus ist es unangenehm kalt. Die Klimaanlage ist wie in allen öffentlichen Verkehrsmitteln in Thailand bis zum Äußersten aufgedreht. Draußen herrschen weiterhin 35 Grad. Im Bus sind es gefühlte 0. Ich schließe die Lüftung über mir und wickle mich in die dünne Wolldecke, die die Stewardess den Passagieren austeilt. Mit 2,5 Stunden Verspätung kommen wir an. Es ist bereits 23 Uhr. Die Rezeption meiner gebuchten Unterkunft hat zum Glück noch auf. Ein Tausendfüßler, der aussieht als hätte er wirklich 1000 Füße schlängelt sich unter dem Waschbecken auf meine Zehen zu. Sein schwarzer Körper ist bedeckt von kleinen haarigen Borsten. Die Zahnbürste in der Hand tänzle ich in Flip Flops um die flinken Bewegungen des Tieres herum. Dann ist das Kriechtier in einer Mauerritze verschwunden. Ich mag Insekten nicht. Spinnen ebenso.

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In meiner Zimmer hängt eine große Spinne gut sichtbar und reglos an der Decke. Sie bewegt sich nicht. Ich beobachte ihre langen spindeldürren Beine. Andere Annehmlichkeiten oder Mitbewohner gibt es nicht. Das Licht lasse ich an. Tust Du mir nichts, tue ich Dir auch nichts, denke ich still. Gegenüber meines Bettes führt ein gelbliches Rinnsal auf der Tapete die Wand vom Boden bis zur Decke entlang. Kleine rote Ameisen bahnen sich auf der vergilbten Mauer in einer Kolonie ihren Weg. Sie kommen aus winzigen Löchern im Fussboden und verschwinden irgendwo in der Nähe der Decke. Der von der Sonne nicht verbrannte Teil meines Körpers weigert sich hier zu bleiben. Aber nur kurz, die Unterkunft ist ja schließlich direkt am Eingang zu den Ruinen der alten Königsstadt. Mein Schlaf ist traumlos und unruhig. Immer wieder unterbrochen vom monotonen Surren des altertümlichen Ventilators. Ich hoffe die Spinne bleibt wo diese ist.

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