Der grausame König Watzmann

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Seicht und gemächlich schwappen die dunkelgrünen Wellen des Königsees an unser Boot. Träge zieht der kleine Kahn voll mit Touristen dahin. Ein Mitarbeiter des Bootspersonals setzt seine Trompete an die Lippen. Das Echo schallt über unser Boot hinweg und wird mit der kühlen Brise des Sees bis in die Höhen des Watzmannberges getragen in über 2700m Höhe. Der drittgrößte Berg Deutschlands wirft ein deutliches Echo der Trompetenmelodie zurück in unser Boot. So majestätisch und klar ist der Klang des zweifachen Echos, dass das gesamte Boot verstummt. Märchenhaft und deutlich schallt die schöne Melodie herüber und flutet wie ein Windstoß über unser Boot.  Ich hänge am Fenster des kleinen Schiffes und genieße das wunderbare, von der Sonne beschienene Panorama. Verträumt blicke ich in das sanft gegen den Bug schwappende Wasser. Die leichte Brise des dunkelgrünen, undurchdringlichen Sees legt einen leichten Teppich der Abkühlung über unser Boot.

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Sie sprenkelt mein Gesicht mit kühlenden Wassertropfen wie der durchscheinende Tau auf einem morgendlichen Wiesenfeld. Immer kleiner und unbedeutender wird das Restaurant an der Bootsanlegestelle. Bis es völlig aus meinem Blickfeld verschwindet. Die schroffen Steinhänge der umliegenden Berge und die zackigen Felsspitzen in der Höhe liefern bis heute den Stoff für eine sagenumwobene Geschichte. Ursprünglich lebte hier König Watzmann mit seiner Frau und 7 Söhnen. Er war ein grausamer, unbeherrschter und unberechenbarer Mann. Laut den Legenden, die sich am Königssee erzählt werden, hat er schon Blut aus den Brüsten seiner Mutter getrunken. Emotionen wie Mitleid oder Zuneigung waren dem Herrscher völlig fremd. Seine Kinder wurden in derselben Gesinnung erzogen. Ebenso heiratete er eine unbarmherzige Frau. Bei einer Jagd rissen die ungezähmten Jagdhunde des unnachgiebigen Königs eine junge Hirtin und ihr kleines Kind.

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Der Mann der jungen Frau erschlug einen der Hunde, die sein Kind und seine Frau zerfleischt hatten. Das machte König Watzmann furchtbar wütend, es war sein Lieblingstier gewesen. Er hetzte die noch lebenden  Hunde auf den Hirten und tötete ihn. Mit einem Fluch sank der junge Mann zu Boden. Laut der Sage soll der Geist der Rache mit einem dumpfen Heulen in des Königs Hunde gefahren sein. Die Hundemeute richtete sich nun gegen die Königin und die sieben Kinder und ermordete die gesamte Familie. Alle stürzen in den Abgrund des Berges. Aus ihren Leibern wuchsen der riesige Berg Watzmann und jedes Familienmitglied ist symbolisiert durch eine der Gebirgszacken. Die Stelle an der die Hunde des Königs in den See stürzten, nennt sich Hundssee. An der Bootsanlegestelle der kleinen Insel inmitten des sagenumwobenen Sees legt unser beschaulicher Kahn an. Die friedvolle Umgebung ist ein Hohn für die grausame Sage um den furchtbaren König. Hier liegt in völliger Isolation die kleine Kapelle St. Bartholomä.

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Entspannt und ohne Lärm genieße ich den Ausblick auf die Natur. Mein Füße baden in den mossgrünen Wellen des Sees. Ich Baumele mit den Beinen und kleine Wassertropfen spritzen auf meine Knie. Jeder Geschichte wohnt ein Quentchen Wahrheit inne. Ursache und Wirkung – jede Tat zieht eine Konsequenz nach sich. Das Gesetz der Kausalität. Diese Gesetze bewahrheiten sich auch, wenn man nicht daran glaubt. Alles rächt sich irgendwann. Nur wann genau, das kann man nicht überblicken. Es gibt zu allem einen Ausgleich, sonst gäbe es niemals Polarität. Jede Situation und jede Sache hat eine negative und positive Seite. Am Ende zählt die gesamte Harmonie. So kann niemand einem negativen Verhalten entrinnen, früher oder später kommt die Konsequenz. Zufrieden setze ich meinen Fuss auf die Leitplanken der hölzernen Anlegestelle. Das nächste Boot bringt mich zurück in den kleinen Ort Schönau. Ein Ort für Touristen mit makelosen Fassaden und hölzerne Balkonen voller Geranien. Was Du nicht willst das man Dir tu, das füg auch keinem anderen zu. So hat König Watzman auch dazu gelernt.

 

 


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