Ein Tag in Polen

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Fotos und Videos mit freundlicher Unterstützung von http://www.mallygrafie.de/

Die frische Brise vom Meer riecht nach Salz. Ich lecke mir über die Lippen, um den frischen Geschmack wahrzunehmen. Träge schwimmen die Möwen auf kleinen dunklen, runden Holzplanken in Ufernähe. Fast kann man die Vögel greifen, so nah befinden diese sich am Strand der Ostsee auf Usedom. Es sieht aus, als würden sie in Reih und Glied für etwas anstehen. Obwohl ich niemanden erspähen kann, der die Vögel füttert. Die Ostsee hat zu dieser Jahreszeit auf Usedom kaum Wellen. Behäbig schwappt das Wasser in seichten Bewegungen auf den sandigen Untergrund ans Ufer. Direkt vor dem Strand liegt die Uferpromenade von Bansin mit den hübschen Villen aus Holz, die mit Schnitzereien dekorativ verziert sind und ihren makellos angestrichenen Fassaden. Hier in diesem Ort gibt es den kleinsten Zoo der Welt. Zwei Rundgänge, die man innerhalb von 30 Minuten gemütlich absolvieren kann, führen an verschiedenen Terrarien mit Echsen, Schlangen und Insekten vorbei und schließlich durch eine Vogelvoliere und zu einem Affengehege. 70 Tierarten soll ich hier insgesamt erleben können und 120 Pflanzenarten. Der Eintrittspreis von 7 Euro erscheint mir ziemlich hoch, aber die Unterhaltung eines privaten Zoos ist sicher teuer.

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Nach einer halben Stunde befinde ich mich wieder an Bansins Strandpromenade und spaziere Richtung Heringsdorf. Zusammen mit Ahlbeck bilden die drei Städtchen die Kaiserbäder, die sich entlang Usedoms Küste nebeneinander ausbreiten. Man kann entlang des zwölf Km langen Strandes bis nach Swinemünde in Polen spazieren. Ein Marathon entlang Europas längster zusammenhängender Strandpromenade, da die Örtchen nahtlos ineinander übergehen. Ich laufe entlang des von den graugrünen Wellen hart gespülten nassen Sandes, da dieser meine Schritte am besten trägt und ich nicht einsinke. Nach einer angenehmen Wanderung in der frischen Meeresbrise kommt Heringsdorfs Seebrücke immer näher, bis ich schließlich direkt davor stehe. Mit 508m ist die metallene Konstruktion die längste Seebrücke Deutschlands. Ich nehme eines der Adlerschiffe, deren Reederei die meisten Ausflugsfahrten entlang der Ost- und Nordsee veranstaltet.  Ich möchte mich Polen von der Seeseite nähern. Auf Deck sitzen einige Passagiere mit Tassen, die diese fest umklammert halten. Zum winterlichen Wetter passend werden auch Glühweinfahrten angeboten.

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Neben den Gästen mit Glühweintassen befindet sich auch eine ganze Abteilung aus einer der vielen Rehakliniken auf Usedom an Bord. Und Massen an Rentnern, ungefähr diese Zusammensetzung an Passagieren hatte ich mir auch schon vorgestellt. ‚Seit zwei Jahren mache ich nur noch im polnischen Teil von Usedom Urlaub.‘ informiert mich ein Mann im Ruhestand aus Leipzig.’Die Polen sind viel freundlicher zu Urlaubern und man erhält hier viel mehr für sein Geld.‘ In Polen zahlt man mit Zloty, nicht mit Euro. Daher sind die Preise erheblich billiger als in Deutschland. ‚Da werden sich die Deutschen sicherlich noch umschauen.‘ setzt der alte Mann bestimmt seine Meinung fort. Kurz vor Swinemünde halten wir bei Fort Gerhardt und ein preußisch gekleideter Reiseführer in Uniform nimmt die Ausflügler im Empfang. Ich sehe über die graugrünen Wellen bis zum Stadthafen. Mein Blick schweift zum Leuchtturm, der mit 64,8m der Höchste an der gesamten Ostsee ist. Die Küste und die Wellen sehen natürlich völlig gleich aus wie in Deutschland. Was aber weithin sichtbar ist sind die Plattenbauten im Stadtkern Swinemündes. Nur auf dem hübschen Platz im Herzen der Altstadt sind die Häuser saniert worden, der Rest erinnert stark an die sowjetische Bauweise.

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Auf dem Marktplatz steht ein khakifarbener, militärisch anmutender Planwagen-Lastwagen. Dahinter schlängelt sich ein menschliches Band aller Altersklassen. Alle halten Plastikschälchen in der Hand, die von Soldaten aus zwei großen dampfenden Kesseln umsonst mit Eintopf gefüllt werden. Männer in Uniform des Militärs drängen sich um den LKW. Die Menschen tragen bunte Papierkronen auf dem Kopf, die an alle verteilt werden. Heute ist der Dreikönigstag. Dieser wird mit einer kostenlosen Suppengabe an die Einwohner von Swinemünde gefeiert. Ich empfinde dies als schöne Geste, allerdings würde ich mich um eine Kunststoffschale mit Suppe nie so lange anstellen. Ich bin sowieso kein Eintopf-Fan. Aber das Ganze ist für die Menschen hier wohl etwas besonderes. Es gehört zu ihrer Mentalität und zum Jahresablauf einfach dazu. Daher sind unsere Prioritäten wohl verschieden.

 

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