Rutschpartie im Museumshafen

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Fotos und Videos mit freundlicher Unterstützung von http://www.mallygrafie.de/

Ich tapse ungeschickt auf die alten Holzplanken, um die vielen Schiffe in Greifswalds Stadteil Wieck zu bewundern. Alte Barken liegen hier fest vertäut am Ufer und treiben langsam und gemächlich auf den seichten graugrünen Wellen des Flusses Ryck. Es nieselt seit Stunden und der feine Regen hat einen rutschigen Film auf die hölzernen Bohlen des Uferstegs gesprüht. Der Steg ist leider zum Wasser hin etwas abschüssig und so endet meine Rutschpartie abrupt. Meine Schuhe gleiten sofort weg und so nehme ich in Richtung Fluss Fahrt auf wie als Kind beim bergab rennen. An Bremsen ist nicht zu denken. Ich rudere hilflos mit den Armen und erliege sekundenlang der Hoffnung mich doch noch abfangen zu können. Ich schlittere voran und lande wenig elegant und unsanft auf dem Hosenboden. Mit einem lauten Platsch berührt mein Hintern den nassen Untergrund und ich rutsche auf dem Stoff meines Mantels weiter in Richtung Wasser. Vor dem nassen Abgrund ist eine metallene Stange angebracht, die die Sohlen meiner Schuhe vehement bremst. Womöglich um Helden wie mich zur winterlichen Jahreszeit abzuhalten in den Fluss zu fallen.

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Um ein Haar wäre ich in den grauen trüben Fluten gelandet. Zumindest kommt es mir so vor. Der eiskalte Wind vom Meer hätte sein übriges getan um mich zum Eiszapfen zu gefrieren. Wie ein Käfer auf dem Rücken liegend, strecke ich alle Glieder von mir. Ich richte ich mich mühsam auf und greife sofort nach meiner Tasche. Sie war zwar offen, aber es ist noch alles da. Ich puste eine feine dunkelgrüne Moosschicht von meinem Handydisplay und wische auch mir übers Gesicht. Kleine Moosfetzen segeln von meinem Haarschopf und überziehen den grünlichen Stoff meiner Jacke mit filigranen Sprenkeln. Ich rücke meine Mütze gerade und versuche zu entscheiden wie ich jetzt wieder nach oben komme. In der Nähe befindet sich ein weiterer Steg, der in regelmässigen Abständen eine querliegende Längsbohle angebracht hat. Vorsichtig schlurfe ich in dessen Richtung, immer bemüht nicht dieselbe Geschwindigkeit wie den Steg herunter aufzunehmen. Eine helfende Hand hilft mir das steinerne Ufer zu erklimmen. Oben angekommen, atme ich erleichtert aus. ‚Hat es wenigstens elegant ausgesehen.‘ grinse ich und befühle das nasse Hinterteil meines Mantels. Der Stoff der gesamten Jacke ist zum Glück genauso grün wie das Moos. ‚Es war einfach abzusehen, was passieren würde.‘ erhalte ich die freundliche aber allgemein gehaltene Antwort.

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Wenn ich mir vorstelle, wie meine akrobatische Einlage ausgesehen haben muss, kann ich nur selbst lachen. Ich muss jetzt erstmal Kaffee trinken, denke ich. In urigen Restaurant Fischerhütte lasse ich mich auf eine hölzerne Bank fallen. Das dampfende Aroma des warmen Getränks zieht sanft in meine Nase und vertreibt in wohliger Art und Weise das überraschende Erlebnis am Vormittag. Ich reibe mit den Fingern der anderen Hand die Stelle zwischen rechtem Daumen und Zeigefinger. Der Punkt fühlt sich etwas überdehnt an und ich mich gerade wie eine alte Frau. Aber da nichts blutet, komisch absteht oder seltsam aussieht beschließe ich, dass mir erstmal nichts weh tut. Vom Stadteil Wieck habe ich jetzt erstmal die Nase voll. Ich fahre mit dem Bus zurück nach Greifswald. Die Altstadt ist recht überschaubar, obwohl es auch hier einige hübsche Hansehäuser gibt. In der Museumswerft in Greifswald werden noch heute alte Holzboote repariert. Zwischen den ganzen Schiffsmodellen, die sich in Reparatur befinden, räkelt sich eine dreibeinige Katze auf einer Holzbank. Wie ein Pirat sieht diese aus mit dem schwarzgefleckten Fell. Nur die Augenklappe fehlt ihr. Die umgebende Szenerie aus alten Barken passt perfekt zu diesem Bild. Ich beobachte die Katze für meinen Moment und wende mich dann ab. Meine Fähigkeiten als Piratenbraut  habe ich ja heute Mittag auf dem feuchten Holzsteg unter Beweis gestellt. Gut genug zumindest um über eine solche Karriere nicht nachzudenken.

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