Rostock im Regen

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Die hübschen Prachtbauten der Rostocker Altstadt streben trübe in den wolkenverhangenen, gräulichen Himmel. In die Düsternis tropft feiner Nieselregen und überzieht meinen Mantel mit einem durchscheinenden, filigranen Schlierenmuster. Klamm dringt die Kälte in den Stoff meiner Jacke. Mein nasses Haar klebt an meiner Wange. Der Spaziergang durch die Innenstadt der mecklenburgischen Stadt führt mich vorbei an roten Backsteinbauten, deren Giebel mit Spitzen aus weißem Puderzucker verziert scheinen. Die alten Kaufmannshäuser wirken trist im dunklen Himmel und verlieren ihre imposante Präsenz. Im Stadthafen spiegeln das Wasser die schwarzgrauen Wolken wieder und reflektiert den grauen Nebelteppich. Träge und gemächlich schwappen langsam die seichten Wellen ans steinere Ufer. Die traurige Isolation und Einsamkeit des letzten Tages des Jahres umgibt mich. Und eine gewünschte Ruhe ebenso.

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Ein Bild, das die Stille des Winters verheißt und dessen erholsame Verlassenheit. Jeglicher Farbton an den Schiffswänden des Stadthafens verblasst ins Matte. Die Szenerie spiegelt die Grautöne zum Abschluss des vergangenen Jahres wieder. Mehr bietet Rostocks Innenstadt nicht. Eine Aneinanderreihung hübscher Häuser mit pastellfarbenen Fassaden, die gegen den grauen Himmel nicht ankommen können. Und wieder erfüllt sich die Prophezeiung des Bettlers aus Kiel. ‚Fahr zur Hölle.‘ Mein Spaziergang führt mich durch die ‚Engelsgasse‘ weiter zur Straße ‚Zur Himmelspforte‘ im Stadtkern. Ein schöner Kontrast und vom Klang wesentlich positiver als die ‚Fegefeuer‘-Gasse in Lübeck. Im Stadthafen liegt ein länglicher Eisbrecher. Aber anstelle von Eis durchschneidet das Schiff im milden Winter nur die grauen seichten Wellen der Ostsee. Ich spaziere durch die Innenstadt zum Studentenviertel, in dem meine Ferienwohnung liegt. In der Feuerwache zünden Feuerwehrleute bereits die ersten Leuchtkörper, die das neue Jahr einläuten. Wo auch sonst, wenn nicht hier, wo sämtliche Löschmöglichkeiten zum Bekämpfen eines Feuers im Überfluss zur Verfügung stehen.

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In Erwartung der Vorfreude auf die ganzen betrunkenen Nordlichter, die sich im angeheiterten Zustand heute mitsamt ihren Böllern anzünden werden, sprühen bunte Lichterfunken über die Feuerwache in den sternenlosen schwarzen Himmel. Studenten feiern in der Wohnung nebenan zu lautem Hip Hop eine Sylvesterfeier. Den Subwoofer haben diese nicht gezähmt, die ganze Wohnung vibriert. Mit jedem Pulsschlag meines Körpers sucht sich der gleichmäßige Bass den Weg durch meine Glieder und lässt mich auf dem Sofa meine Herztöne zum kontinuierlichen Vibrieren der Wände spüren. Ich wippe mit dem Beat auf und ab ohne mich wirklich zu bewegen. Diese Musik ist der Horror. Hätte ich Kinder würde ich ihnen Hip Hop verbieten. Zum Glück habe ich keine.

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Wahrscheinlich würde das Verbot auch nicht funktionieren. Auf keinen Fall ist dies meine Musikrichtung. Happy new year, denke ich mit einem teils gequälten Lächeln auf den Lippen. Spielend kommt die Musik gegen die Konversation meines Schwarz-Weiß-Filmes an. Ein alter Edgar-Wallace-Krimi. Joachim Fuchsberger liefert sich soeben eine wilde Verfolgungsjagd zu modernen Raphymnen. Im Schlafzimmer hört man den Lärm zum Glück nicht. Dafür den Nachbar aus der Wohnung unter mir, der um ein Uhr nachts entrüstet an die Tür der gegenüberliegenden Wohnung klopft und laut ‚Ruhe‘ brüllt. Ein frohes neues Jahr!

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