Stadt der Weihnachtsmärkte

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Ganz Wien ist ein einziger Weihnachtsmarkt. Der Duft von Tannenzweigen und würzigem Glühwein weht durch die Kopfsteingassen der Altstadt. Gerüche von brennenden Kerzen und Lebkuchen mischen sich in das weihnachtliche Aroma und vereinen sich zu einer süßen Vorfreude auf das kommende Fest. Räuchermännchen pusten still ihre intensiv duftenden Rauchschwaden aus den runden Öffnungen ihrer Münder. Zwischen allem schwebt der Geschmack von gerösteten Maronen und Mandeln. Abgerundet wird das Weihnachtsparfum durch die zarte schokoladige Brise, die von den Süßwarenständen herüber zieht. Das gesamte Bouquet steigert meine Vorfreude auf den Heiligen Abend ins Unermessliche und ein zufriedenes Lächeln spiegelt den Schein der vielen leuchtenden Lichter auf meinen kalten Lippen. Wie ein eisiger Nebel steht der Hauch meines Atems wenige Sekunden sichtbar in der Luft bevor er in dem grauen Schneematsch der Umgebung vergeht und den Blick freigibt auf die festlich beleuchteten, traditionellen Buden vor dem mächtigen Rathaus von Österreichs Hauptstadt.

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Hinter allem thront ein riesiger geschmückter Weihnachtsbaum. Ich schlendere langsam entlang der Holzhütten und begutachte Christbaumschmuck, Kunsthandwerk und Weihnachtsgeschenke. Im Vordergrund der Buden liegt kunstvolle Glaskeramik neben selbstgemachten Krippen. Ein alter Mann schnitzt im Hintergund seines Standes weitere Holzfiguren für den Stall in seiner Auslage. Ein Spaziergang der wunderbar entschleunigt. Die ganze Hektik des Jahres kann sich auf diesen wenigen Quadratmetern des Rathausplatzes nicht halten. Auf der nahe gelegenen Bühne singt ein Gospelchor Weihnachtslieder. Lautlos und in Gedanken versunken summe ich den bekannten Text mit. ‚Jingle bells, jingle bells…‘ Kleine Schneeflocken tänzeln um mich und legen sich sacht auf meine Haut und mein Haar. Der eisige Kuss vergeht aufgrund der Hitze meiner Wangen sogleich zu einer feinen Träne. Behutsam schlängeln sich die kleinen Wassertropfen über die Backen und münden elegant im Stoff meines Kragens, wo sie sogleich mit dem Stoff des Mantels verschmelzen. Auf einer großen Eisfläche drehen Familien auf Schlittschuhen anmutig oder tapsig ihre Runden. Kinder lachen und ziehen sich ihre Wollmützen gegen die frostige Kälte tiefer ins Gesicht. Die eisige Kühle zieht langsam auch in meine Jacke. 2 Stunden in der kalten Luft auf dem Weihnachtsmarkt machen sich in meinen gefrorenen Gliedern bemerkbar. Ich reibe meine Hände, doch trotz der Lederhandschuhe breitet sich kein warmes Gefühl in meinen Fingern aus.

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In Wien gibt es mehr als zehn Weihnachtsmärkte an verschiedenen Plätzen. Für einen Weihnachtsjunkie wie mich ist das genau das richtige. Das Weihnachtsdorf am Maria-Theresien-Platz wandelt sich nach den Festtagen zum Sylvesterdorf. Es gibt also auch nach den Festtagen noch die Möglichkeit Glühwein zu trinken. Da der Platz in der Nähe der Universität liegt, trifft man hier hauptsächlich junge Leute. Die meisten sind natürlich Studenten. Den Christkindlmarkt auf der Freyung gibt es sogar schon seit 1772. Dieser hat trotz seines Alters eine moderne Champagnerbar. Am schönsten sind die Märkte vor den Schlössern Wiens. Kleine, überschaubare Holzhütten reihen sich im Vorhof von Schloss Schönbrunn und Schloss Belvedere. Ich schlendere vorbei an süß duftenden Plätzchen, traditionellem Christbaumschmuck aus Stroh und dampfenden Glühweintöpfen. Der wunderschöne Hintergrund der barocken Paläste reflektiert die flackernden Lichter der Kerzen und spiegelt die weihnachtliche Vorfreude in meinem Gesicht. Es gibt viele regionale Produkte zu kaufen, ob Süßigkeiten, Käse oder handgemachte Krippen. Auf dem Karlsplatz bläst ein Kunsthandwerker schöne Glaskugeln für den Weihnachtsbaum. Am Stand daneben zieht ein Handwerker bunt gestaltete Kerzen.

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In einem Cafe in der Nähe des Weihnachtsmarktes sinke ich auf einen der Stühle. Eine angenehme Behaglichkeit verströmt hier die Hitze der Heizung. Gedämpft wird die schöne Atmosphäre nur durch den typischen Wiener Schmäh. In kaum einer Stadt wird schlechte Laune so sehr gefeiert, wie in Wien. Niemand erwartet ein Lächeln oder ein nettes Wort. Einfach böse zu Boden schauen. Und auch gern mal mit dem Gegenüber schimpfen. Da geht es einem gleich besser. Daher ist dieses Verhalten hier völlig ok. So herrscht mich die Bedienung auch gleich an. ‚Sagen Sie schon was Sie wollen.‘ Verblüfft sehe ich die ältere Dame an.’Einen Kaffee bitte.‘ stammle ich aufgrund des harschen Tonfalls. Die Wiener meinen das nicht so. Der Schmäh ist ihre Lebenseinstellung und gehört zum Alltag einfach dazu. Aber wenn sie wollen können die Wiener auch außerordentlich charmant sein. Etwa so wie der nuschelnde Ober Hans Moser in den alten schwarzweiß Filmen. Ein bisserl lieb, ein bisserl böse.

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