Insel der Blumen

Tief ziehe ich den Duft ein, der mich umgibt. Ein wohlduftendes Aroma von Rosen und knospenden Trieben kriecht in meine Nase. Ich niese. Meine Finger befühlen die zarten Blütenblätter der vielen bunten Blumen. Samtig fühlt sich die Oberfläche an. Ich ertaste kleine Härchen auf der Blattoberfläche. Manche der Blätter sehen aus als wären diese aus Plastik. Die Farbpalette des Gartens um mich spiegelt alle Farben des Regenbogens. Betört vom wunderbaren Duftaroma drehe ich mich im Kreis als wollte ich durch die Drehbewegung alle Duftnuancen zu einem großen Parfum vermischen. Von den Gerüchen beschwipst richte ich mein Gesicht zur prallen Sonne. Die warmen Strahlen kitzeln meine von den vielen Düften betäubte Nase. Wieder muss ich niesen. Mehrmals. Meine Wangen glühen. Es ist angenehm warm.

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Schmetterlinge drehen im Garten der wunderbaren Insel Mainau ihre Runden. Hektische Flügelschläge tragen diese von Blüte zu Blüte. Auf den Blättern verweilen sie kurz. Reglos. Nur um dann plötzlich fast wie auf der Flucht zur nächsten Blume aufzubrechen. Ich bin wahrlich dankbar, dass die Distanz von Karlsruhe zum Bodensee so überschaubar ist. Daher lohnt sich ein Wochenendausflug. Nach einer Autofahrt von etwa 3 Stunden stehe ich bereits an der Uferpromenade von Konstanz. Mainau ist ein schwimmendes Kleinod im Überlinger See. Bedingt durch das günstige Bodenseeklima wachsen hier sogar Palmen und andere tropische Gewächse. Jetzt im Herbst ist die Insel vom lieblichen Duft der Dahlienfelder überwuchert. Die bunten Farben sind ein willkommener Gruß des Spätsommers. Mein Blick verfängt sich in der bunten Pracht und lädt zum Verweilen auf einer der Parkbänke ein.

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Ich öffne die Tür zum Schmetterlingshaus. Auf etwa 1000 Quadratmeter flattern bei konstanten 26 Grad 700 bis 10000 bunte Falter von bis zu 80 verschiedenen Schmetterlingsarten. Die tropisch anmutende Umgebung wird durch eine rauschende Geräuschkulisse untermalt. Eine Wasserfalllandschaft mit plätschernden Wellenbewegungen durchzieht das ganze Areal. Die Falter hier sind vor allem südamerikanischer Herkunft. Sie fliegen völlig frei und ohne Barriere innerhalb des Gewächshauses durch die Besuchermassen. Wieviele natürliche Nachkommen es hier gibt ist sehr unterschiedlich. Aus diesen Gründen bekommt das Schmetterlingshaus wöchentliche Lieferungen von 400 Puppen von Züchtern aus Costa Rica, England und Holland. Dies kostet die Insel Mainau jährlich etwa 20.000 Euro nur für die neuen Raupen. Rund um das Schmetterlingshaus leben die heimischen Falterarten.

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Der Ausgang bringt mich zu einem Duftgarten mit mehr als 150 Aromen verschiedener Pflanzen. Wie ein Dejavu überfallen mich die verschiedenen Düfte. Ich merke wie meine Nase versagt. Sie ist nicht mehr aufnahmefähig und quittiert ihren Dienst. Ich rieche praktisch nichts. Der badische Großherzog Friedrich I erwählte Mainau als Sommersitz. Und wer die Farbenpracht der exotischen Pflanzen einmal genossen und die vielen verschiedenen Duftnuancen geatmet hat weiß auch wieso. Diese blühende Welt ist bezaubernd. In der Erbfolge wurde die Insel durchgereicht bis zu Prinz Lennart Bernadotte. Da dieser eine Bürgerliche heiratete musste er aus der Königsfamilie austreten. Lennart machte es sich zum Hobby Mainau und die Schlösser zu renovieren und die Gärten in ein blühendes Monopol umzuwandeln. Noch heute befindet sich die Insel im Wirkungskreis der Familie Bernadotte.

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Am hölzernen Steg warte ich auf die Fähre. Die Sonne steht voll am Himmel. Ich habe entspannt Zeit um die Schwesterinsel Reichenau zu besuchen. Bis etwa 1800 wurde das größere Eiland von Benediktinermönchen bewohnt. Das Kloster Reichenau ist längst in die Liste des UNESCO Weltkulturerbes aufgenommen worden. Bei einer Gesamtfläche von 4,3 Quadratkilometern ist das Inselgebiet sehr überschaubar. Seit 2001 hat sich hier wieder eine kleine Gruppe von Mönchen angesiedelt. Die dicken Wände der Kirche schlucken jeden Laut. Ich stehe in völliger Stille. Umgeben von steinernen Mauern erlebe ich eine absolute Ruhe. Ich betaste die kühlen, steinerne Wände. Kalt fühlt sich das Gebäude an. Reglos und ohne Wärme. Ich genieße das Allein sein mit jedem neuen Atemzug. Ruhe, die mir willkommen ist. Ohne Laut nehme ich in einer Kirchenbank Platz. Ich schließe die Augen. Die Finsternis vor meinem Blick verstärkt die Einsamkeit. Dieser Moment entspannt meinen Geist. Besinnlichkeit ist es wert im Alltag gesucht zu werden. Gewollte Isolation ist wie ein Balsam für die Seele. Und auf dieser Klosterinsel gibt es sehr viel davon.


2 Gedanken zu “Insel der Blumen

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