Uruguays kolonialer Schatz

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Hektisch drücke ich auf den Auslöser meines Fotoapparats. Mein Blick ist unstet und schnellt zwischen den vielen visuellen Reizen hin und her. Die kleinen kolonialen Häuser mit den hübsch angestrichenen bunten Fassaden fangen meinen Blick und lassen ihn nicht mehr los. Durch das Stadttor ‚Puerta de la Ciudadela‘ betrete ich die Stadt. Wie gebannt blicke ich auf die überschaubaren Häuser der kleinen Alleestraßen. Diese beschauliche Ort ist so wunderschön und erstrahlt in der Entspanntheit der vergangenen Kolonialzeit. Ich sehe kein hässliches Haus. Alle Straßen und Gehwege sind sauber. Das Lächeln der Menschen reflektiert sich auf meinen Lippen. Fröhlich klappern meine Absätze gleichmäßig über die sanft geschwungenen kopfsteingepflasterten Gassen und hallen von den Wänden der niedrigen Häuser wieder. Ich spaziere durch die verwinkelten Wege des ‚Barrio alto‘, der Altstadt.

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Mein Weg führt vorbei an gemütlichen Plätzen mit einladenden Cafes und beschaulichen Restaurants, in denen die Einheimischen bei einem Kaffee oder Bier sitzen. Neugierig und mit ehrlichem Interesse mustern mich ihre Gesichter. Ein älterer Herr fängt meinen Blick auf und winkt mir freundlich zu. Vor mir tut sich der ‚Puerto viejo‘, der alte Hafen auf. Colonia del Sacramento liegt herrlich gebettet direkt am Rio de la Plata. Blickt man zum Horizont über den Atlantik kann man die aufragende Skyline von Buenos Aires sehen. Der leichte Gang der Wellen spiegelt die beeindruckende Silhouette der argentinischen Hauptstadt. Dieser Ort verströmt die Magie vergangener Tage. Colonia ist der älteste Ort in Uruguay. Seit 1995 gehört er zum UNESCO Weltkulturerbe. Die Zeichen der Zeit konnten der Geschichte in Colonia del Sacramento auf faszinierende Weise nichts anhaben.

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Das kleine Kolonialstädtchen wirkt immer noch wie in seinem Gründerjahr 1680. In einem gemütlichen Restaurant in der Altstadt esse ich zu Abend. Ich genieße den herrlichen Blick auf die dunklen, fast schwarzen Wellen des Atlantiks. Zum Essen probiere ich eine Tasse Tee. Uruguay ist das Heimatland des Matetees. Die klein geschnittenen Blätter des Matestrauchs werden mit heißem Wasser aufgegossen. In Südamerika ist dieses Getränk weit verbreitet. 80% der Bevölkerung trinken mindestens 1 Mal pro Woche Mate. Das gelbgrüne Getränk wirkt aufmunternd. Es enthält Koffein. Der Tee stärkt den Kreislauf und aktiviert den Stoffwechsel. Er schmeckt entsetzlich bitter und ich kann mich nicht daran gewöhnen. Verlegen spucke ich die Reste vom tee und ein paar Teeblätter in meine Serviette. Ich verziehe das Gesicht. Igitt!

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Ich schlendere weiter durch die historische Altstadt. Das Rumoren im Bauch wird immer intensiver. Ich habe Magenkrämpfe. Den bitteren Tee habe ich wohl überhaupt nicht vertragen. Die Krämpfe werden so schlimm, dass ich früher mit dem Schnellboot nach Buenos Aires zurückfahre. Ich wähle ein Hostel neben dem Hafen aus, um schnell unterzukommen. ‚Sie hätten vorab reservieren müssen. Wir akzeptieren nur einen Tag vorab gebuchte Anfragen.‘ erklärt mir der junge Mann am Empfang. Meine Schultern fallen nach unten. Ich sacke zusammen. Meinen glühenden Kopf lege ich in den Nacken und befühle mit den Fingern meine heiße Stirn. Mein ganzer Körper tut mir weh. Langsam atme ich aus. Mit meinen vielen Allergien und Unverträglichkeiten ist das fremde Essen eine Herausforderung. ‚Wo kann ich übernachten?‘ frage ich. Mein Mund ist trocken und die Zunge klebt am Gaumen. Man mir eine Empfehlung für ein alternatives Hostel. Ich laufe los, langsam und müde schleppe ich mich durch die Straßen von Buenos Aires.

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Mein Handgepäckkoffer rollt schwerfällig hinter mir her. Die genannte Unterkunft ist nur 10 Minuten Fußweg entfernt. Zum Glück ist hier ein Zimmer frei. Fiebrig öffne ich mit zittrigen Fingern meine Jacke. Ich sinke auf die Matratze und schlafe sofort. Am nächsten Tag geht mein Flug nach Bariloche. Die letzte Urlaubswoche wird im chilenischen und argentinischen Seengebiet beginnen. Ich liege reglos auf der Matratze. Jede Bewegung schickt einen schmerzhaften Nadelstich durch meinen Körper. Ich hoffe Morgen ist es anders und es geht mir besser. So ist es in fremden Ländern, der Körper muss einiges verkraften. Allerdings lasse ich mir von meinen Allergien nichts aufdiktieren. Bis auf die Einschränkung beim Essen natürlich. Ich mache alles worauf ich Lust habe. Das Bett fühlt sich viel zu warm an. Ich schwitze und friere zugleich. Langsam und gemächlich ziehe ich mit schwachen, hitzigen Fingern die Bettdecke hoch zum Kinn. Nur nicht unterkriegen lassen.

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