Brasiliens barocke Perle

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Mein Blick wandert über die reich verzierten barocken Fassaden der Häuser und versucht die vielen kleinen dekorativen Details wahrzunehmen. Ouro Preto liegt fast 1200 m hoch. Die unebenen, steilen Gässchen sind in dieser Höhe eine echte Plackerei. Mein Schritt ist langsam. Gemächlich setzte ich Fuß vor Fuß. Die angenehme Kühle des brasilianischen Hochlands umgibt mich und hüllt mich ein wie ein frischer angenehmer Luftteppich. Atemzüge sauberer Bergluft strömen schwungvoll in meine Lunge. Ich atme tief ein bis die angenehme Frische auch die letzte meiner Körperzellen erreicht hat. Autos sehe ich nicht und die Straßen sind überhaupt nicht verschmutzt. Ouro Preto ist für mich der glanzvollste Ort Brasiliens. Die malerischen, gemütlichen Plätze, die von verwinkelten Kopfsteingassen durchzogen werden, strömen eine besinnliche Ruhe und Entspanntheit aus. Zierliche Sträßchen sind gesäumt von kleinen Cafes, Restaurants und winzigen Läden.

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Die verschwenderische dunkelgrüne Berglandschaft umgibt die koloniale Kulisse zu allen Seiten und fasst den Ort in eine blühende, sommerliche Umrahmung. Die hellen Fassaden der Häuser stehen in starkem Kontrast zum saftigen Grün der Umgebung. Die Weite der kraftvollen Gebirgslandschaft lässt die Gedanken zur Ruhe kommen. Ich ignoriere das Knurren meines Magens und spaziere weiter durch die verschlungenen Wege der Stadt. Das strahlende, freundliche Lächeln der Einwohner reflektiert sich auf meinen Lippen und zeigt das ehrliche Interesse der Bewohner Ouro Pretos an Fremden. Die wärmende Mittagssonne beleuchtet die atemberaubende Szenerie. Die Hitze brennt auf meinen Wangen. Ich schlendere durch die am besten erhaltene Kolonialstadt Brasiliens und fühle mich ins 18. Jhd. zurück versetzt. Seit dem Goldrausch hat sich hier nicht viel verändert. Ouro Preto bedeutet übersetzt ‚Schwarzes Gold‘. Der Name beruht auf den riesigen Goldvorkommen rund um die Kleinstadt. Durch Eisenoxid wurden die Goldklumpen schwarz verfärbt gefunden. 1698 fand ein Portugiese hier eine äußerst ergiebige Goldader und ließ sich in der Nähe des Goldes nieder. Immer mehr Menschen begaben sich dann auf der Suche nach Reichtum ins brasilianische Eldorado. Von 1700 bis 1820 wurden hier 1200 Tonnen Gold gefördert, 80 % der damaligen Weltproduktion. Allerdings wurde das Gold durch die Portugiesen geborgen, die brasilianische Wirtschaft hatte überhaupt nichts davon.

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Heute sind noch 3 Goldminen in Betrieb, ebenso werden Diamanten in den Bergen abgebaut. Ich finde ein Cafe, welches ein Brunchbuffet anbietet und genieße ein viel zu spätes Frühstück. Es ist fast Mittag und drückend heiß. Die Sonne entzündet ein Feuer auf meiner unbedeckten Haut. Ich bezahle. Schwerfällig setzte ich meinen Spaziergang in der Hitze des Tages fort. Auf jedem Hügel, der um die Stadt liegt, steht eine schöne barocke Kapelle. Ouro Preto ist eine Stadt der Kirchen. Wegen der schönen barocken Fassaden gehört die Kleinstadt zum UNESCO Weltkulturerbe. Ich wandere von Hügel zu Hügel und besuche jede der über 20 barocken Rokokokirchen der Stadt. Die vielen Kapellen zeigen den früheren Wohlstand Ouro Pretos. Die Kleinstadt war einer der reichsten Orte Brasiliens. Die St. Franziskus-Kirche (Igreja São Francisco de Assisi) ist meine letzte Station. Gerade findet ein Gottesdienst statt. Begeistert klatschen die Teilnehmer in die Hände. Inbrünstig singen die Menschen die Texte. Sie sind so verwoben in ihren Glauben und pflegen leidenschaftlich ihre religiöse Tradition. Ich kann den Blick nicht abwenden, diese tiefe Gläubigkeit fasziniert mich. Weltweit ist Brasilien das Land mit den meisten Katholiken. ‚Deus é brasileiro – Gott ist Brasilianer‘. Die Einwohner sind überaus gläubig. Wie kann ein Staat in dem der Durchschnitt der Bevölkerung recht wenig besitzt Kraft aus der Religion ziehen. Oder geht es genau darum? Ist der Glaube eine Rechtfertigung und Erklärung der momentanen Lebensbedingungen? Und wenn schon. Das Ergebnis zählt. Die Menschen hier sind glücklich mit dem was sie haben. Mehr braucht es nicht.

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