Das Viagra der Berber

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Kleine Schweißperlen rinnen in einem feinen Rinnsal an meinem Hals hinab und werden erfasst von der kalten Brise des Atlantiks. Der leichte Wind zaust mein Haar  und fährt wie eine kühlende Dusche über meine Wangen und Hände. Der angenehme Hauch verbreitet einen kurzen Moment der Abkühlung, bevor die heiße Luft mit einer bedrückenden Schwüle erneut über mich hereinbricht. Die brennende Sonne erhitzt unbarmherzig die staubigen Straßen des kleinen Fischerdorfs Essaouira. Ein feiner sandiger Schleier liegt wie der Hauch eines nebligen Teppichs über den umgedrehten Fischerbooten. Die bunten Farben leuchten in der Sonne und reflektieren die warmen, glänzenden Sonnenstrahlen. Mein Mund ist trocken. Die Zunge klebt am Gaumen. Ich spüre einen pelzigen Geschmack aufsteigen und brauche dringend Wasser.

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In den schmalen Straßen des überschaubaren Ortes reihen sich die Geschäfte nahtlos aneinander. Essaouira ist ein Traum. In einer kontinuierlichen Melodie brechen sich die Wellen an der steinernen Stadtbefestigung. Der Klang des Meeres mischt sich mit dem durchdringenden Echo des Möwengeschreis. Das helle Azurblau des Himmels wird vom Wasser zurückgeworfen wie in einem sich ständig verändernden Kaleidoskop. Fast lautlos plätschert die Strömung zurück in die Weiten des Meeres. Nur um im nächsten Moment mit der erstarkten Kraft der Natur erneut gegen die felsigen Mauern zu schwappen. Die gesamte Altstadt steht unter UNESCO Welterbe. Übersetzt bedeutet Essaouira ‚Die Vollendete‘. Was man beim Anblick des tiefblauen Meeres und der entspannten einheimischen Bevölkerung überaus nachvollziehen kann. In den 70ern war die Stadt hauptsächlich Anlaufpunkt für Hippies. Heute kommen die Touristenbusse in Scharen.

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Ich schlendere durch die Altstadt. In kleinen Körben liegen die vielen Berbermixturen gegen jegliches Unwohlsein. Liebestee lagert neben Berbershampoo sowie Schlaf- und Antistressmittel. Meine Aufmerksamkeit zieht das ‚Express Viagra Naturell‘ auf sich. Das marokkanische Potenzmittel wird aus Arganöl hergestellt. Der zugehörige Baum gedeiht nur in der Umgebung der kleinen Hafenstadt. 30 Kilogramm der Früchte ergeben etwa einen Liter des hellgelben, durchscheinenden Öls. Da der Arganbaum über extreme Dornen verfügt, muss darauf gewartet werden, dass die Früchte vom Baum fallen. Dies geschieht in der Zeit von Juli bis September. Die Früchte können dann aufgesammelt werden. Berberfrauen knacken die nussartige Schale des Kerns der Frucht mit Steinen, um zu den Samen zu gelangen. Mit dieser Arbeit sorgen sie für den Lebensunterhalt ihrer Familien.

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Die Größe der Samen ist in etwa die von Sonnenblumenkernen, drei davon bietet eine Frucht. Die Arbeit ist sehr mühsam. Nach dem Rösten über offenem Feuer werden die Samen in einer Steinmühle gemahlen. Umso länger die Röstung, umso stärker das Aroma des Öls. Zum Schluß wird der Ölbrei mit Wasser versetzt und in kleine Fläschchen gefüllt. Die Herstellung der nussigen Flüssigkeit dauert etwa 20 Stunden. Arganöl vermischt mit Honig und Mandeln nennen die Einheimischen ein starkes Aphrodisiakum. Nimmt man das Gemisch über den Zeitraum von zwei Wochen zu sich soll ein Mann wieder kontinuierliche Erektionen bekommen. Auch für Frauen hat Arganöl positive Wirkungen auf den Körper. Das dünnflüssige Öl hilft gegen Falten, man verstreicht einen dünnen Film im Gesicht. Ins Haar verteilt sorgt Argan für Glanz und seidige Weichheit. Schon halte ich das kleine Fläschchen in meiner Hand. Ein perfektes Geschenk für Mann und Frau. Da muss Man(n) einfach zugreifen.


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