Fatimas Hand

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‚Ich führe Dich. Wir haben nicht viel Zeit. In 30 Minuten wird der Eingang zur Kasbah geschlossen.‘ ein älterer Marokkaner winkt mich hektisch zu sich. Das Altstadtviertel Rabats thront von dicken Steinmauern umschlossen auf einer Felsklippe über der Stadt nahe dem Meer. Ich traue seinen Worten nicht. ‚Nein danke.‘ ich hebe abwehrend die Hand. Er lässt sich nicht abwimmeln und läuft vor mir her. In allen erdenklichen Blautönen reihen sich die überschaubaren kleinen Häuser an gemütliche Cafes und schmucke Läden. Die blaue Farbpalette der Gebäude fließt fast nahtlos über in der azurblauen Himmel und spiegelt sich in den brandenden Wellen vor der Stadt. Ein frischer Wind weht vom Meer durch die verwinkelten Gassen. Der aufgeregte Schrei der Seemöwen legt sich als krächzende Melodie zusammen mit dem warmen Hauch der blendenden Sonnenstrahlen über die gesamte Szenerie.

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‚Siehst Du die Hände über der Tür?‘ deutet mein unfreiwilliger Reiseführer über die nächste Türschwelle. ‚Das ist die Hand von Fatima. Dies ist ein Schutzsymbol gegen den bösen Blick. Fatima ist die jüngste Tochter Mohammeds. Das Zeichen schützt vor bösen Geistern und ist ein Symbol für Kraft und Glück.‘ zufrieden betrachtet der Marokkaner die Abbildungen über den Türen. Die Zeichnungen sind völlig symmetrisch, Daumen und kleiner Zeigefinger entsprechen sich. In der Mitte prangt ein großes geöffnetes Auge. In der Medina gab es Anhänger mit derselben Abbildung zu kaufen. Ich hatte nicht gewusst was diese bedeuten. Als Amulett muss die Hand nach außen sichtbar getragen werden, um zu beschützen. Unsere 30 Minuten nähern sich dem Ende. Der Ausgang der Kasbah mündet im blühenden Andalusischen Garten mit einem kleinen gemütlichen Cafe.

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Das helle Grün der Pflanzen bildet einen starken fruchtbaren Kontrast zum kühlen  konstanten Blau der Gebäude. Der seichte Wind des Meeres berührt die zarten Blätter in einer verträumten Geste und streicht verspielt über die Grasflächen der Anlage. Ich drücke meinen Gegenüber 10 Dirham in die Hand. Ungläubig sieht er mich an. ‚In Deutschland ist das nur ein Euro.‘ meint er entsetzt. Weit öffnet er seine dunklen Augen auf. Für den gleichen Betrag hatte ich heute Morgen gefrühstückt. ‚Wir sind ja nicht in Deutschland.‘ antworte ich. ‚Das ist in Deutschland nur ein Euro!‘ jetzt wird der Mann aggressiv. Und ich bin langsam genervt. Die Führung wurde mir aufgedrängt und das die Kasbah in 30 Minuten schließt ist auch erfunden. ‚Gut, dann eben nicht.‘ mit einem plötzlichen Ruck ich reiße ihm den Geldschein wieder aus der Hand. Verdutzt sieht er mich an. Wortlos drehe ich mich um und spaziere durch den schönen Park Richtung Ausgang. ‚Ich beobachte Dich.‘ ruft er mir hinterher. Als Frau ganz alleine in Marokko war diese Geste ziemlich dumm. Mir ist das bewusst. Aber die ständige Erwartungshaltung und das permanente Fordern kann ich mit meiner westlich geprägten Einstellung nicht akzeptieren. Jetzt habe ich einen Fan in Marokko.

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