Mit Bänderriss an die Côte d’Azur

Hätte ich mir im letzten Urlaub in Lettland meinen Freudensprung verkniffen, hätte ich jetzt keinen Bänderriss. Ich war mit dem Fuss auf der Steinstufe des Hostels in Riga umgeknickt, man konnte förmlich hören, wie das Band riss. Der Rückflug stand kurz bevor und mein Fuß war in der Luft kontinuierlich weiter angeschwollen. Die Diagnose war schon klar, bevor der Arzt in Deutschland diese ausgesprochen hatte.

Für die Fahrt an die Côte d’Azur mussten ich und meine Reisebegleitung daher etwas improvisieren. Der Beifahrersitz wurde komplett umgelegt. Ich saß auf dem Rücksitz und streckte beide Beine auf dem Vordersitz aus. Eine ungewöhnliche aber bequeme Position. Beim Fahren konnten wir uns natürlich leider nicht abwechseln. Als Pause entschieden wir uns daher für einen Zwischenstopp in Monaco. Von dort sind es weitere 2 Stunden nach Cannes. Die Orthese am verletzten Bein juckt. Es ist Juli und die Haut schwitzt unter dem gepolsterten Gestell.

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Ab Genua fahren wir direkt die Riviera di Ponente am Meer entlang. Ich öffne das Fenster, vom Wasser weht eine frische Brise in das Auto und zaust mein Haar. Menton ist der erste französische Ort nach der Grenze und der wärmste der ganzen Region. Côte d’Azur bedeutet absolut wahrheitsgemäß ‚Azurblaue Küste‘. Das Meer, das sich an der Mittelmeerküste entlang zieht schimmert Hellblau bis Türkisfarben. 300 Sonnentage im Jahr hat die Region. Kleine Hafenstädte mit endlosen Stränden ziehen an uns vorbei. Bis zum Horizont glitzert das wunderschöne, tiefblaue Meer und vermischt sich dort mit dem grenzenlosen Blau des Himmels.

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Je näher wir Monaco kommen, umso mondäner und lebendiger wird die Umgebung. Der zweitkleinste Staat der Welt ist durchaus sehenswert. Ein Perle entlang der Küste ist die ‚Steuerparadies der Schönen und Reichen‘ allerdings nicht. Ich hieve meinen Fuss schwerfällig aus dem Auto und humpele ein Stück auf das Musée océanographique zu. Dramatisch erhebt sich das Museum auf dem Vorsprung einer Klippe und strebt dem Meer zu. Mein Begleiter sucht einen Parkplatz. Das einzig Gute an meiner Behinderung ist, dass ich direkt an den Sehenswürdigkeiten abgesetzt werde. Wie bei einer individuellen Stadtführung.

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Nach dem Besuch des Aquariums spazieren wir zum Fürstenpalast, das heißt ich hinke hinterher. Da ich die alten Hitchcock Filme sehr mag, werfe ich einen Blick auf das Grab von Grace Kelly in der benachbarten Kirche Saint Nicholas. Blumen und Heiligenbilder zieren die Gedenkstätte. Gracia Patricia war eine überaus schöne Frau, wenn man Blondinen mag. Kein Wunder, dass auch Regisseur Alfred Hitcock sich in seine Schauspielerin verliebt hatte.

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game-bank-188877_1920.jpgDem Casino statten wir keinen Besuch ab. Glücksspiel interessiert mich einfach nicht. Ich habe weder ein Pokerface noch Talent. Die detailverliebte geschmückte und reich verzierte Fassade beeindruckt dennoch und lädt zum Umschauen ein.
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beach-589763_1920.jpgUnsere Ferienwohnung befindet sich in Cannes. Im Gegensatz zu Nizza mit seinem schroffen, nur mit Flip Flops begehbaren Kieselstrand führt hier der feinste Streifen goldenen Puderzuckers direkt zum Meer. Es ist die pure Entspannung die Zehen in den hellgelben, im Sonnenuntergang glitzernden Sand zu vergraben und aufs Meer zu schauen.

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Begeistert bin ich von den zahlreichen Skulpturen am Strand von Cannes. Einheimische  Künstler entwerfen diese geduldig jeden Tag aufs Neue. Mein schönstes Erlebnis ist allerdings die künstlich angelegte Lagunenstadt von Port Grimaud, etwa 90 Minuten von Cannes entfernt. Im farbenprächtigen ‚Venedig‘ der Côte d’Azur ist jedes Haus nur mit dem Boot zu erreichen. Straßen gibt es nicht, dafür jede Menge Kanäle.

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Port Grimaud wurde von einem Architekten entworfen und gebaut, der den maritimen Stil liebte, François Spoerry. Die Bauarbeiten begannen 1966 und wurden erst im Jahr 2000 abgeschlossen. Die Küstensiedlung mit den bunten Häuserfassaden direkt am Meer ist also noch sehr jung. Eine Bootsfahrt durch die zahlreichen Wasserstraßen ist ein Traum und man fühlt sich wie im Märchen. Ruhig folgt unser Boot dem Wind, der durch die zahlreichen Wassergassen streicht. Die Strahlen der Sonne tanzen auf den Flussgässchen, die sich zwischen den farbenfrohen Häusern schlängeln. Jedes der Häuser hat einen eigenen Anlegeplatz.

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Auf dem Rückweg nach Cannes erkunden wir Villefranche-sur-mer. An der Hafenpromenade liegt der Eingang zur Rue Obscure. Die Straße ist völlig mit Häusern überbaut und stammt aus dem 13 Jhd. Die Atmosphäre in der ältesten Gasse der hübschen Küstenstadt ist zwielichtig. Das dämmrige Licht reicht gerade bis zur nächsten Straßenecke. Obwohl wir den Tunnel in zehn Minuten passiert haben versetzen die alten Arkadengänge uns in eine andere Zeit. Früher wurde hier Wein gelagert und Händler boten ihre Waren an. Mehrmals schon war dieser Ort mit seiner besonderen Stimmung Filmkulisse. Ein weiterer Schritt und ich stehe wieder im Sonnenlicht. Ich atme auf, die durchdringende Stille bleibt hinter mir zurück. Trotzdem oder gerade durch die alles umgebende Ruhe fesselt mich die Magie der Rue Obscure. Auch auf der Heimfahrt nach Cannes hält mich der Ort in seinem Bann.

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Autor: Broenberr
Link: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Rue_Obscure,_Villefranche-sur-Mer.jpg

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