Besuch bei Königs

Ich stehe auf den Zehenspitzen. Wackelig tänzle ich von einem Bein auf das andere. Ich recke meinen Kopf, um zwischen all den hochgewachsenen Schweden einen Blick auf die Straße zu erhaschen. Aus Adelsgeschichten und königlichen Hochzeiten mache ich mir grundsätzlich nichts. Den Aufenthalt in Stockholm hatte ich geplant ohne zu wissen, dass zeitgleich die Heirat der schwedischen Prinzessin stattfinden würde. Stockholm ist gut besucht, fast hätte ich kein erschwingliches Hotelzimmer gefunden.

Wenn ich denn schon mal da bin, mische ich mich unter die Menschenmenge. Ein 14-tägiges Festival läutet die Trauung von Prinzessin Victoria und dem Unternehmer Daniel Westling unter dem Motto ‚Love Stockholm‘ ein. Sind mir die Königshäuser doch völlig egal, profitiere ich dennoch von den umfangreichen Musikdarbietungen, die ganz Stockholm vertonen. Auf gut platzierten Bühnen sprechen zahlreiche Musikgruppen  und Künstler alle Altersklassen an. Für jeden gibt es Programm.

Die Kutsche wird in wenigen Minuten den Streckenabschnitt, an dem ich stehe passieren. Also strecke ich meinen Kopf so weit wie möglich in die Luft, um wenigstens einen kurzen Blick auf das Brautpaar zu erhalten. Freudige Gesichter umringen mich, die Schweden sind stolz auf ihre Königsfamilie.

Da donnert auch schon die Kutsche heran. In dem Moment stellen sich natürlich auch alle Schweden auf die Zehenspitzen. Ich sehe gar nichts. Kurz schimmert das schwarze Leder der Kutsche durch die Menschenmenge. Ein erhobener Arm blitzt auf, ein winkender Handschuh zieht rasant vorbei. Die Menschenmenge zerstreut sich, vor mir liegt der leere Asphalt der Straße. Kurz warte ich noch, stehe wie angewurzelt auf meinem Platz. War es das schon? Sicher bin ich mir nicht. Außer mir ist allerdings niemand mehr da. Die Menschenmenge strömt zum Wasser. Dort wird das frisch getraute Paar mit den Hochzeitsgästen in ein Boot steigen und zu Schloss Drottningholm schippern, wo zu Abend gegessen wird. Enttäuscht bin ich nicht, dazu mache ich mir aus Adelsgeschichten zu wenig.

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Ich widme mich lieber wieder der Stadt. Stockholm ist wunderschön. Der Weg zum königlichen Schloß führt entspannt am Ufer der Ostsee entlang. Die Stadt erstreckt sich über 14 Inseln, den Schären. 30% der Stadtfläche besteht aus Wasser. Im Skansen, dem Open Air Museum Stockholms sehe ich zum ersten Mal Elche und Rentiere aus nächster Nähe. 1891 gegründet, gibt das Museum einen tollen Überblick, wie die Menschen früher in Schweden gelebt haben. Ein Tierpark ist Teil der Anlage.

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Geheiratet hat das Brautpaar in der Kathedrale Storkyrkan. In Stockholms ältestem Gebäude finden so ziemlich alle Feierlichkeiten der Königsfamilie statt, auch die Krönungen.

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Ich entfliehe dem Menschengemisch aus am Adel interessierten Touristen und feierwütigen Schweden. Einen ruhigen Platz finde ich auf den Steinstufen des Hafens, die zum Wasser führen. Eine Weile ruht mein Blick auf der idyllischen Szenerie. Ruhig kräuselt sich das Wasser und kleine Wellen schwappen bis zu meinen Füssen. Das Brautpaar ist weiter gezogen und hat den Menschenauflauf mitgezogen. Nach ein paar ruhigen Atemzügen stürze ich mich selbst wieder ins Getümmel. Das ganze Wochenende genieße ich die schwedischen Bands und Künstler. Zeit alles Anzusehen habe ich im Überfluss. Es ist Mittsommer. Selbst mitten in der Nacht gleicht das umgebende Licht eher einer einsetzenden Dämmerung. Richtig dunkel wird es zu dieser Jahreszeit in Stockholm nie.

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