Reise zu sich selbst

Eine mehrwöchige Reise ist eine spannende Zeit voller fremder Erfahrungen, aber auch neuer Erlebnisse. Gerade beim individuellen Reisen einfach drauf los, ist es anstrengend sich die Welt anzusehen.

Umso wichtiger sind die kleinen Ausflüchte im Alltag, um die innere Mitte zu finden und sich selbst wieder zu erden. Kraft zu tanken und bei sich selbst anzukommen. Besonders bevor der nächste Trip in unbekannte Kulturen ansteht.

Auch ich nehme mir in regelmässigen Abständen Zeit um zur Ruhe zu kommen. Am besten gelingt mir dies in der Natur. Ich suche mir ein Ziel in der Umgebung und verbringe dort den Tag. Auf der Prioritätenliste ganz oben stehen Seen, dicht gefolgt von Wasserfällen und Berggipfeln. Zum Glück hat der Schwarzwald von all diesen Naturschauspielen reichlich zu bieten.

In Triberg befindet sich mit 163m der höchste Wasserfall in Deutschland. Allerdings strömen neben den Wassermassen auch das ganze Jahr kontinuierlich tausende von Touristen ein. Die Menschenmenge schreckt mich ab. Ich entscheide mich für Tribergs kleinen Bruder. Der Todtnauer Wasserfall ist nur 97m hoch und weniger von Ausflüglern frequentiert.

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Ich steige in mein Auto  und fahre los. Ab Freiburg biege ich auf die Serpentinenstraße ab, die in weitläufigen Kurven den Berg hinauf führt. Schon leuchten am Straßenrand die Reste des weißen Schnees, es wird merklich kühler. Die Strassen sind hoffentlich nicht glatt. Ich glaube, ich fahre nicht mit Winterreifen. Die Strahlen der Sonne glitzern auf den Schneemassen. Durchzogen wird die weiche Schneedecke von Miniaturskifahrern, die ihre kunstvollen, gleichmäßigen Muster an den tannenlosen Hängen hinterlassen.

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In einer größeren Haltebucht parke ich mein Auto. Ein ausgetretener, schlammiger Weg führt zum Wasserfall. In der Nähe höre ich schon das Tosen der Wassermassen und das dumpfe Vibrieren des hinab strömenden Wassers erfüllt die Luft. Sehen kann ich noch nichts. Der Weg wird immer feuchter, bis ich direkt vor den herab donnernden Fluten stehe. Wassertropfen spritzen mir in feinem Sprühregen ins Gesicht.

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Das imposante Spektakel erdet mich. Ich setzte mich auf eine Bank am Fuß des Wasserfalls und genieße das Schauspiel. Eine Handvoll Touristen sehen sich ebenfalls um, das nach unten stürzende Wasser hae ich fast für mich allein. Schnell stellt sich innere Ruhe ein, jede Hektik wird verdrängt. Ich bin angekommen.

Meine Sitzgelegenheit wird mir mit der Zeit zu nass. Ich erklimme den Weg hinauf zum Hauptfall. Die Schneeschmelze hat eingesetzt, es sind 7 Grad. Der tauende Schnee vermischt sich mit den Stromschnellen und flutet den Großteil der Treppen, die bergauf führen. Ich springe von Pfütze zu Pfütze. Das Wasser fließt in meine Schuhe. Ich merke wie meine Socken nass werden und die Jeans das Wasser bis zum Knie aufsaugt.

Die Pfützen wandeln sich in kleine Rinnsale. Bald formieren sie sich zu neuen Wasserfällen. Kleiner und nicht so reißend, aber dennoch überall. Meine Hosen kleben an mir. Trotzdem bin ich glücklich. Der Ausblick am Ursprung des Wasserfalls ist wunderschön, der mühsame Aufstieg hat sich gelohnt. Im Winter würde ich es nicht wagen, dann sind die Treppen mit Eis verkrustet und glatt.

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Es war genau der richtige Tag um herzukommen. Glänzend wirft der Hauptfall die Strahlen der Sonne als Regenbogen zurück. Die davon spritzenden Tropfen schimmern in allen erdenklichen Farben. Eine Szenerie wie im Märchen. Am Ende des Regenbogens wartet ein Topf voll Gold, leider habe ich ihn nicht gefunden. Aber immerhin, bei mir selbst bin ich wieder angekommen.

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