Tausche Armut gegen Domizil am Strand

„Gibt es eine Möglichkeit zu Frühstücken?“ frage ich Alma. „Da noch Neujahr ist hat alles zu, sweetheart.“ kommt ihre ernüchternde Antwort. „Ich mach Dir ein Frühstück.“ schlägt Alma dann vor. Wenig später steht eine dampfende, heiße Tasse Kaffee vor meiner Nase, sowie ein Teller mit Rührei. Ich lasse es mir schmecken, es duftet richtig lecker.

Mit gegenüber sitzt Jenna, die mich neugierig mustert. Es fällt ihr schwer sich auszudrücken, teilweise stottert sie, dann brechen die Worte wieder in einem Schwall aus ihr heraus. Dazwischen atmet sie hörbar und unkontrolliert, sodass ihre Sätze abgehakt klingen und schwer zu verstehen sind. Sie spricht undeutlich, ist aber trotz ihrer Behinderung offen und ehrlich an mir als Fremder interessiert. Ich zeige ihr die Bilder vom verschneiten Deutschland, Jenna ist noch nie verreist. Ihre Augen werden groß, Schnee und solche Häuser hat sie noch nie gesehen. Die Bauweise in Belize ähnelt sehr der Karibischen. Die Häuser sind aus Holz, meist einstöckig und in auffallend bunten, kräftigen Farben angestrichen.

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Jenna gefällt mein Armband aus San Cristobal, sie staunt über den Preis, als ich von Pesos in Belize Dollar umrechne. Sie findet auch meine Schuhe toll, meine Tasche, mein T-Shirt, nach und nach zählt sie alles auf, was ich an oder bei mir trage. Ich fühle mich unangenehm studiert, Jenna denkt wohl ich sei reich. Das liegt im Auge des Betrachters, gebe ich zu, also hat sie gewissermassen Recht. Gemessen an den Verhältnissen in Belize bin ich tatsächlich reich, ich habe viel mehr als der Durchschnitt der Bevölkerung.

Danke Jenna, denke ich bei mir, das Du mich an Konsum gewöhnten Menschen aufgerüttelt hast. Ich führe ein Leben im Überfluss. Obwohl ich nicht mit allem zufrieden bin, ist dies wohl eher ein Jammern auf hohem Niveau. Dann reden wir über Familie, ich zeige Fotos von meiner Schwester. Die hellblonden, langen Locken machen auf Jenna noch viel mehr Eindruck und schon sind meine Schuhe vergessen.

Für das leckere Frühstück bezahle ich gern, danach spaziere ich durch Belize City. Die Stadt ist ziemlich heruntergekommen und hat nicht viel Sehenswertes zu bieten. Wieder liegen Dutzende Menschen reglos in den Strassen. Mitten im Dreck, achtlos neben Müll und Hundehaufen. Ich werde angebettelt, nur ein Dollar bitte. Armut ist ein Teil der Welt, so auch eines der Gesichter von Belize. Die Augen zu verschließen ändert die Situation nicht, ich nehme die Welt an, wie sie ist.

Ich schlendere an bunten Häusern vorbei, die Farbenpracht gefällt mir. Holzbalkone schlängeln sich auf allen Seiten um die Häuser. Seitlich erhebt sich ein Schulgebäude in grellem Pink. Am Seitenarm des Belize River weht ein laues Lüftchen, die Boote schaukeln auf dem Wasser. Sonnenstrahlen spiegeln sich auf dem Fluss. Das Wasser ist dunkelbraun, so verdreckt wie die Strassen.

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Um 10:30h nimmt mein Boot vom Fährterminal in Belize City Kurs auf die Nördlichen Cayes. Schnell färbt sich die braune Brühe des Flusses um uns bereits zu Beginn der Fahrt in ein durchdringendes Türkisblau. Die Überfahrt dauert nur eine Stunde. Unser Boot fliegt förmlich über das Wasser und landet immer wieder unsanft und holprig auf dem Kamm der Wellen. Alle paar Minuten klatschen wir nach unserem Kopfsprung in einer Bauchlandung auf die Wasseroberfläche.

In Caye Caulker angekommen, fühle ich mich erneut wie im Paradies. Ein palmengesäumter Strand mit hellem, weichem Sand empfängt uns, bunte Boote treiben sanft in der Mittagssonne auf den Wellen. Mit 1300 Einwohnern ist die Insel sehr begrenzt, ein überschaubares Kleinod. So schön das kleine Idyll anmutet, so schwierig gestaltet sich die Unterkunftsuche. Es ist gerade Ferienzeit und daher Hochsaison, die erschwinglichen Betten sind alle belegt.

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Nach einem Rundgang über dieses hoffnungslos romantische Domizil, trenne ich mich schweren Herzens. Ich versuche mein Glück in Ambergis Caye, Caulkers großer Schwesterinsel. Obwohl nicht minder schön, ist Ambergis mit 8000 Einwohnern merklich größer und der Hauptort San Pedro städtischer. Ebenso ist das Angebot an Unterkünften reichhaltiger. Bereits ein paar Schritte vom Fährterminal entfernt finde ich ein schönes Zimmer. Den Rest des Tages verbringe ich gemütlich am Strand. Hinter mir Reggaemusik, im Vordergrund das Rauschen der Wellen. Beides untermalt die traumhafte Szenerie und ich lasse mich von der Sonne verwöhnen.

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Verwöhnt wird hier auch der Gaumen. Die belizische Küche mit ihren vielen Grillgerichten und frischen Salaten ist ein Genuss. Der Strand von Ambergis Caye ist gesäumt von Restaurants direkt am Meer. Begleitet vom Rauschen der Palmen in der frischen Prise, die vom Meer zu mir herüber weht, esse ich zu Abend. Durch die Dämmerung husche ich danach zurück zu meinem Hotel und betrachte den Sonnenuntergang. Eine grandiose Farbenpracht in allen vorstellbaren Rot-, Gelb- und Orangetönen bricht sich auf Ihrem Weg zum Horizont mannigfach auf dem Wasser. Die leise Wellenbewegung wirft das Farbspektakel wie durch ein Kaleidoskop zu mir zurück ans Ufer. Dieses absolute Paradies ist fast schwer zu ertragen, denke ich zufrieden, hier könnte ich bleiben. Tue ich dann auch und setzte mich mit einem Gefühl tief empfundener, innerer Ausgeglichenheit in den Sand. Wahrscheinlich sitze ich Morgen noch.


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