Hitlers deutsche Staatsbürgerschaft

Blick auf Braunschweig

Während eines Praktikums im Rahmen meines Geschichtsstudiums erfuhr ich, wie Hitler zur deutschen Staatsbürgerschaft kam. Am 20. April 1889 kommt dieser als Sohn eines Zollbeamten im oberösterreichischen Braunau zur Welt. 1905 verlässt er die Realschule ohne Abschluss. Nach dem Tod beider Elternteile zieht er nach Wien, wohnt im Obdachlosenheim und lebt von Gelegenheitsjobs. Auch um sich dem Wehrdienst zu entziehen, geht Hitler 1913 nach München. Ein Jahr darauf meldet er sich als Freiwilliger bei einem bayerischen Reserve-Infanterie-Regiment und wird im Ersten Weltkrieg schwer verwundet. 1919 tritt er in die Deutsche Arbeiterpartei ein, die spätere NSDAP. 1921 übernimmt erderen Vorsitz. Als straffälligem Ausländer droht ihm die Abschiebung nach Österreich und er beantragt die Entlassung als dortiger Staatsbürger. Dem wird am 30. April 1925 stattgegeben. Hitler ist staatenlos. 5 Jahr später, in Deutschland im Jahr 1932, Weimarer Republik: Im Berliner Reichstag ist die SPD seit der Wahl vom September 1930 stärkste Partei, dahinter folgt die NSDAP. Der Vorsitzende der Nationalsozialisten ist der staatenlose Adolf Hitler. Der gebürtige Österreicher hält sich zu dieser Zeit seit Jahren ohne Pass in Deutschland auf.

Die Quadriga auf der Aussichtsplattform des Residenzschlosses

Zur selben Zeit in Braunschweig: Aus dem ehemaligen Herzogtum wurde als Folge der Novemberrevolution von 1918 ein Freistaat. Bei der Landtagswahl 1930 erreicht die NSDAP gut 22 Prozent der Stimmen und wird damit stärkste Partei. Gemeinsam mit anderen Rechtsparteien verfügen die Nationalsozialisten über die Mehrheit im Parlament und stellen mit Ernst Zöllner den Landtagspräsidenten sowie mit Dietrich Klagges den Innenminister. Die rechten Populisten sitzen in Braunschweig also bereits fest im Sattel. Zurück nach Berlin: Die NSDAP sieht sich im Aufwind und hat doch ein Problem, denn ihr Führer Adolf Hitler ist kein Deutscher. Seit 1929 waren mindestens zwei Versuche gescheitert, diesem einen deutschen Pass zu verschaffen, erst in Bayern, später in Thüringen. Der Ausweis ist aber Voraussetzung dafür, dass Hitler bei der Wahl zum Reichspräsidenten am 13. März 1932 kandidieren darf. Sich schlicht auf offiziellem Weg um die deutsche Staatsbürgerschaft zu bewerben, erscheint Hitler wohl zu banal. Er sieht sich seit seinem Einsatz beim bayerischen Militär im Ersten Weltkrieg als Deutscher. Doch die Zeit drängt – und Hilfe naht aus Braunschweig. NSDAP-Genosse Minister Klagges kommt auf die Idee, Hitler eine Stelle als Professor für Organische Gesellschaftslehre und Politik an der Technischen Hochschule anzudienen. Allerdings schießt er damit über das Ziel hinaus. Er stößt im Landtag und in den Medien auf massiven Protest. Eine Professur erscheint für einen Mann, der wegen Hochverrats vorbestraft ist und keinen Schulabschluss hat, etwas zu hoch gegriffen.

Die Quadriga auf der Aussichtsplattform des Residenzschlosses

Die Braunschweiger NSDAP gibt ihre Pläne jedoch nicht auf, sondern einigt sie sich mit den Koalitionspartnern auf einen anderen Posten für ihren Parteichef. Hitler soll Regierungsrat beim Braunschweiger Landeskultur- und Vermessungsamt werden. Frei von jeder Sachkenntnis soll er nicht in der niedersächsischen Provinz seiner Arbeit nachgehen, sondern bei der Braunschweigischen Gesandtschaft in Berlin für die Region werben. Den nahen Wahltermin nimmt Hitler an. Am 25. Februar 1932 wird er ernannt, einen Tag später legt er den Amtseid auf die Verfassung ab. Damit ist das wesentliche Ziel der Aktion erreicht: Hitler ist deutscher Staatsbürger. Dem Eingebürgerten liegt jedoch fern, in Berlin das Dasein eines mittleren Staatsdieners zu fristen. Stattdessen tritt er gut zwei Wochen später zur Wahl des Reichspräsidenten an und erhält im ersten Wahlgang 30, im zweiten fast 37 Prozent der Stimmen. Reichspräsident bleibt dennoch der parteilose Paul von Hindenburg, der etwa 53 Prozent der Stimmen erhielt. Da der Beamte Hitler seinen Dienstpflichten als Regierungsrat konstant nicht nachkommen möchte, stellt er nach knapp einem Jahr einen Antrag auf Entlassung aus den Diensten Braunschweigs. Dem wird umgehend stattgegeben. Die deutsche Staatsbürgerschaft behält er.


2 Gedanken zu “Hitlers deutsche Staatsbürgerschaft

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