Im Land der Geysire und Naturgewalten

In meiner Winterjacke aus Deutschland stehe ich vor dem Wasserfall Gulfoss. Die gewaltigen Wassermassen peitschen einen feinen Sprühregen in meine Richtung. Um die Szenerie zu untermalen reißt der Himmel auf und es schüttet wie aus Kübeln. Den Regenströmen in Island hält meine Jacke nicht stand. Ich bin völlig durchnässt, sogar das Innenfutter ist feucht und klamm. Die eisige Kälte des isländischen Frühjahrs zieht in meine Kleidung und lässt mich mit den Zähnen klappern.

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Islands Wetter wechselt im 5 Minutentakt. Auf Regen folgt Sonne. Wenig später zieht die Wolkendecke wieder zu und der Wind pfeift einem plötzlich um die Ohren. Es entwickeln sich richtige Sturmböen mit heftigen Regenfällen. Im nächsten Moment liegt die Landschaft wieder windstill da und die Sonne scheint. So richtig planen lässt sich hier nichts, dazu ist das Wetter zu unbeständig. Fast bin ich froh, als wir alle wieder in den Bus dürfen. Langsam kehrt im beheizten Fahrzeug das Leben in meine steif gefrorenen Hände zurück. Auch meine Füße fangen in der Wärme an zu kribbeln.

geyser-1601639_1920.jpgLange dauert die Fahrt nicht. Wir fahren durch schroffes Felsgebiet. Im Nirgendwo stoppt unser kleiner Touristenbus. Dichter Qualm wabbert über die Felsen. Es stinkt faulig nach Schwefel. Ich steige aus und rümpfe die Nase. Vorsichtig tapse ich durch die nebelverhangene Umgebung. Immer bemüht auf den Wegen zu bleiben. So ganz traue ich den heißen Quellen hier nicht.

geyser-921782.jpgSchon geselle ich mich zum Touristenauflauf an einem großen Krater dazu. Alle warten gespannt. Quälend langsam verstreichen die Minuten. Ohne Vorwarnung beginnt das Wasser im Inneren des Tümpels zu brodeln. Ich halte den Atem an. Die Wassersäule reicht immer höher und explodiert schließlich in einer Fontäne heißen Wassers mit ca. 30m Höhe.
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deco-1298538.jpgIsland ist das Land der Naturwunder. Vulkanische Vorgänge und Vulkanausbrüche gestalten die gesamte Landschaft immer wieder um. Am erstaunlichsten sind die Leute, die hier leben. Bei der stetigen Veränderung der Landschaft müssen die Isländer sehr flexibel sein. Die heißen Quellen nutzt man für die Energiegewinnung, davon gibt es mehr als genug. Die Energiekosten auf Europas zweitgrößter Insel sind daher sehr gering. Das ist auch sehr wichtig, liegt Island doch knapp südlich des Nördlichen Polarkreises. Auch im Sommer wird es meist nicht mehr als zehn Grad warm. Knapp über 300.000 Einwohner leben hier. Island ist das am dünnsten besiedelte Land der Erde. Auf 40km² befinden sich im Schnitt zwei bis vier Häuser. 60 Prozent der Menschen leben in der Hauptstadt Reykjavik. Abgesehen von den Energiekosten sind die Lebenshaltungskosten in Island extrem hoch, da fast alles importiert werden muss. Das Preisniveau ist etwa dreimal so hoch wie in Deutschland.

reykjavik-1601342.jpgDie Innenstadt von Reykjavik ist ein buntes Sammelsurium an Häusern in allen erdenklichen Farben. Gestaltet nach der üblichen Holzbauweise der skandinavischen Länder. Ich spaziere durch die Stadt zum Rathaus. Dies ist so ziemlich das einzige Steingebäude der Stadt.

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Ein Stadtrundgang führt unweigerlich zur modernen Architektur der Hallgrimskirkja, dem Wahrzeichen der isländischen Hauptstadt. Der über 70m hohe Turm überragt ganz Reykjavik. Erklimmt man den Turm der Kathedrale wird man mit einem grandiosen Ausblick über die gesamte Stadt belohnt.

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1510961_10205540478264062_972293093635710949_nWo könnte man sich nach einem kühlen Spaziergang in eiskalter Luft besser aufwärmen als in einer der vielen heißen Quellen des Landes? Am Nachmittag fahre ich zur blauen Lagune. Unter freiem Himmel liegt die Bláa Lónið wie ein türkisblauer See mit 37 Grad heißem Wasser. Bis zum Kinn vergrabe ich mich in die wohlige nasse Wärme, während mein Kopf und meine Nasenspitze in der frostigen Brise Islands zurückbleiben. Das ungewöhnliche Blau wird durch die Säure von Kieselalgen erzeugt. Diese reflektiert vor allem blaue Strahlen des Sonnenlichts und so erstrahlt das gesamte Wasser in intensivem Türkis. Eine Bar steht direkt im märchenhaft schimmernden Wasser. Ein Glas Wein kostet hier zehn Euro, dies ist für isländische Verhältnisse ein normaler Preis. Ich gönne mir ein Glas, im Urlaub spare ich nicht. Langsam treibe ich auf dem Rücken durch das kühle Nass. Hin und wieder strecke ich die Fußzehen in die kalte Außenluft, um diese dann blitzschnell wieder in die angenehme Wärme der Wellen zurück zu ziehen. Die Entspannung ist perfekt.


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