Wie stehts mit der Liebe?

Aktuelle Ereignisse lassen mich über die Liebe nachdenken. Und darüber jemanden heute kennenzulernen. Mein Schwester heiratet. Eigentlich hat sie ihren Freund bei der Bank getroffen. Er war nämlich ihr Berater. Sie ist ein wunderbarer Mensch, weiß es aber manchmal nicht. Daher nahm sie auch nicht wahr, dass ihr derzeitiger Bankberater weiterführendes Interesse an ihr hat. Die beiden haben in den letzten Jahren einiges durchgestanden. Wie das in Beziehungen nun mal so ist, war es nicht immer einfach. Ich glaube beide mussten sich immer wieder neu auf den anderen und dessen Situation einstellen. Es gab während ihrer Partnerschaft Höhen und auch tiefe Abgründe, die sie zu bewältigen hatten. Und dennoch wollen sie sich nächstes Jahr das ‚Ja‘ Wort geben. Ich finde das wirklich klasse, weil ich den Freund meiner Schwester auch mag. Meine liebe Schwester und ich sind wie zwei Seiten einer Medaille. Ich war in meiner Jugend eher rebellisch unterwegs. An den Wochenenden machte ich in Clubs die Nacht zum Tag. Meine Schwester ist da eher ruhiger. Sie spielt Posaune in einem Orchester und engagiert sich in der Jugendgruppe einer Kirche. Sie mag Wein- und Mittelalterfeste wie ich. Diskotheken mag sie aber nicht.

Sie ist ein unheimlich toller Mensch. Sie kann wunderbar kochen und backen, ich überhaupt nicht. Ich glaube, Autofahren kann ich besser als sie, davor hat sie ein bisschen Angst. Meiner Schwester gönne ich absolut das Wunderbare, was sie in einem anderen Menschen gefunden hat. Allerdings sind wir auch hier sehr unterschiedlich. Ich kann es mir für mich selbst irgendwie nicht vorstellen zu heiraten. Ich habe in den letzten 37 Jahren gerade mal zwei Hochzeiten besucht, weil viele meiner Freunde eine ähnliche Einstellung zur Eheschließung haben. Zweimal wurde ich vom Brautstrauß getroffen und habe jedesmal einen Schritt zurück gemacht. Was auch notwendig war, weil im nächsten Moment alle weiblichen Besucher allzu gierig danach griffen. Ich ergriff die Flucht vor dem permanenten Anrempeln und Wegstoßen, bis zum Schluss eine der weiblichen Gäste gesagt hat. Sie hielt die Blumen stolz vor sich, gepaart mit einem vielsagenden Blick zum etwas entfernt sitzenden Freund. Der junge Herr lockerte sogleich die für diesen Augenblick zu fest sitzende Krawatte und ergab sich in den fixierenden Blick seiner Angebeteten.

Ich werde auf jeden Fall auf der Hochzeit meiner Schwester versuchen den Blumenstrauß von ihr zu fangen, sollte sie einen werfen. Alles soll am Tag ihrer Heirat perfekt sein und ihr Freude machen. Es ist schon verrückt, dass die unromantische Vereinbarung eines Bankgeschäfts die beiden zusammen geführt hat. An Zufälle glaube ich persönlich nicht. Es kommt eben so, wie es kommt. Ohne, dass wir dies begreifen können. Die gesamten Geschichten aller Menschen sind so fein verwoben und so komplex, dass wir dies niemals verstehen könnten. Am besten ist es sich einfach leiten zu lassen mit dem Urvertrauen, dass man sicher geführt wird. Meinen jetzigen Freund habe ich kennengelernt, weil ich in einem Pub auf meine Bahn nach Hause gewartet habe. Wir konnten viel länger erzählen als geplant, weil meine Bahn zwar kam, aber 45 Minuten Verspätung hatte. Eigentlich auch ungewöhnlich. Wir trafen uns an in einer Stadt, in der wir gar nicht wohnen. Nur weil wir beide früher als gedacht am Bahnhof waren und daher beide im Pub auf unseren Zug ausharrten. Da waren wir einfach gleichzeitig am richtigen Ort. Zu dem Zeitpunkt hatte ich sogar noch einen Freund. Es war nichts für die Ewigkeit, dennoch war er da. Ich habe mich getrennt, als wir uns näher kennen lernten. Alles andere wäre auch nicht fair gewesen.

Meinen Exfreund habe ich beim Speeddating getroffen. Ich wollte das einfach mal ausprobieren. Die Veranstaltung war im Besitos und wir saßen an winzigen Tischen. Immer zwei Teilnehmer konnten sich innerhalb von 7 Minuten unterhalten. Ich weiß noch, dass ich dachte, 7 Minuten wären auszuhalten. Wenn mir jemand auf den Geist ging, würde ich einfach gemütlich ein Glas Wein trinken und mein Gegenüber wäre dann schon wieder am Nachbartisch. Ich würde mir dann einfach still meinen Teil denken. Das hat prima geklappt. Am Ende kann man dann online sein Häkchen bei den Männern, die man wiedersehen will, setzen. Mein Exfreund, der in seiner Freizeit Videos erstellt und bearbeitet, hat mir gleich angeboten etwas für meinen Blog zu entwerfen. Er gab mir seine Visitenkarte. Wir haben uns daher nach dem Dating natürlich getroffen. Wir fanden uns sympathisch und haben es daher irgendwann mit einer Beziehung probiert. Es war auf keinen Fall ‚bis dass der Tod uns scheidet‘, das war schon beim ersten Treffen klar. Durch die Partnerschaft bin ich das erste Mal mit Kindern konfrontiert worden. Er hat nämlich zwei mit seiner Exfrau. Ich habe dadurch das wunderbare Erlebnis gemacht, dass Kinder einem unheimlich viel zurück geben, wenn man bereit ist selbst etwas zu geben. Die Kürze der Beziehung hat mir die tolle Einsicht geschenkt, dass ich gut mit Kindern umgehen kann. Ich hatte dieses Potential in mir nie gesehen. So kurz diese Verbindung auch war, sie hatte dennoch einen Sinn. Sollte meine Schwester Kinder haben, werde ich eine super (Paten)tante. Auch wenn ich alle Einverständniserklärungen unterschreiben werde, für Tätoowierungen, Piercings….

Zwischendurch war ich auch beim Face2Face-Dating. Man trifft sich hier für 3 x 1,5 Stunden in verschieden zusammen gewürfelten Gruppen. Gut ist, dass man sich daher mit mehreren Teilnehmern, etwa in jeder Location zwölf, unterhalten kann. Man braucht noch nicht einmal 7 Minuten mit jemandem zu verbringen, den man langweilig oder unsympathisch findet. Ich habe tatsächlich eine liebe Freundin an diesem Abend kennengelernt. Aber keinen interessanten Mann. Außer mit der coolen Pfälzerin hatte ich mit keinem der Teilnehmer nach diesem Abend wieder etwas zu tun. Ich glaube dieses Kennenlernen in digitalen Zeiten durch Tinder, Speed- oder Face2Face-Dating hat nur begrenzt einen Sinn. Eigentlich holt uns der schöne Begriff Liebe genau dann ein, wenn wir am wenigsten daran denken. Wenn wir auf den Zug warten oder ein Beratungsgespräch bei der Bank wahrnehmen. Wenn es eigentlich am unwahrscheinlichsten ist und am wenigsten passt. Einfach wie das Leben ist: Unberechenbar. Meiner Schwester und ihrem Freund wünsche ich für Ihr Leben als Ehepaar nur das Beste. Und mir als Tante einen guten Start!

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3 Gedanken zu “Wie stehts mit der Liebe?

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